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Letzte Redaktionsänderung 20.12.2009
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Vitamin
B12 und Ernährung
Vitamin B12 hat eine komplizierte
chemische Struktur, die mit zwei weiteren biologisch wichtigen
Substanzen verwandt ist – dem grünen Farbstoff Chlorophyll aus
den Pflanzen und dem roten Farbstoff der Blutkörperchen Häm.
Chlorophyll umwandelt die Sonnen- in die chemische Energie und
bildet dabei Zucker. Hämoglobin transportiert Sauerstoff. Während
Chlorophyll in Mitte der Ringe das Magnesium und Häm das Eisen enthält,
umklammert Vitamin B12 dort das Cobalt (Bild 1). Vitamin B12 hilft
u.a. verschiedene chemische Gruppen zu übertragen.
Bild 1.

Menschen können
Vitamin B12 überhaupt nicht produzieren. Bakterien und Hefen tun es
für uns. Da wir pro Tag sehr wenig Vitamin B12 brauchen (3-5 mcg),
reichen dafür die üblichen bakteriellen Verunreinigungen der
Nahrungsmittel und Gärungsprodukte wie Joghurt, Käse, Brot,
Sauerkraut, Bier. Fleisch und vor allem Leber enthalten viel Vitamin
B12. Veganer und Vegetarier leiden eher unter Vitamin B12-Mangel, da
sie diese Vitamin B12 reichen Nahrungsmittel meiden.
Es ist bekannt, dass viele Inder (Vegetarier und
Veganer) einen Vitamin B12-Mangel erst ausweisen, wenn sie
emigrieren und in westlichen „hygienischeren" Verhältnissen
leben. Unsere Darmbakterien produzieren zwar auch Vitamin B12, aber
in den unteren Darmabschnitten, wo wir es nicht mehr aufnehmen können.
Vitamin B12 beteiligt sich an vielen
lebensnotwendigen Stoffwechselvorgängen (Bild 2). Die wichtigsten
und bekanntesten sind:
-
Methylierung bei Synthese der
Nukleinsären
-
Methylierung bei der Synthese der
Proteinen, wozu auch die Umwandlung von Homocystein
in Methionin gehört
-
Antioxidation - an fangen von NO
und anderen Stickstoffoxiden (nicht im Bild 2)
Bild 2.

Entsprechend breit und schwerwiegend
sind die Folgen des Vitamin B12 Mangels. Sie treffen jedes
Organsystem. Beispiele in Tabelle 1:
Tabelle 1.
|
Blut |
Blutarmut |
|
Immunsystem |
Abwehrschwäche, Infektionen, Autoimmunkrankheiten |
|
Nervensystem |
Störungen der Funktion von Rückenmark und
peripheren Nerven (Myelo- und Neuropathie), Schmerzen,
Demenz, M. Parkinson, Epilepsie,
Depression, Schizophrenie, Hirnschlag, Migräne,
Schwindel, Ohrensausen (Tinnitus),
Chronische Müdigkeit |
|
Muskel |
Verminderte Leistung, Schmerzen (Fibromyalgie) |
|
Knochen |
Knochenschwäche (Osteoporose),
verminderte Knochenheilung |
|
Lunge |
Asthma, Chronische Obstruktive
Lungenkrankheit (COPD, früher Emphysem) |
|
Haut |
Ekzem,
Schuppenflechte, Pigmentstörungen
(sowohl weisse wie dunkle Flecken) |
|
Magen-Darm |
Gestörte Bewegung, Reizdarm,
chronische Darmentzündungen |
|
Nieren |
Nierenschwäche,
Entzündungen |
|
Herz-Kreislauf |
Durchblutungsstörungen, Herzschwäche,
tiefer Blutdruck (Hypotonie) und Kollaps |
|
Geburtshilfe |
Missbildungen, erschwerte Geburt, müde „floppy"
babies |
|
Pädiatrie |
Wachstumsstörungen |
Eher unbekannt ist der Einfluss des
Vitamin B12-Mangels auf die Knochen (Tab.
2). In einer Studie aus Japan nahmen einseitig gelähmte Patienten,
welche oft und schwer stürzen, Vitamin B12 (Methylcobalamin). Die
Zahl aller Knochenbrüche wie auch der Hüftbrüche sank bei 280
Patienten um ¾! Die Knochendichte wurde dabei nicht geändert, d.h.
Vitamin B12 wirkt auf die Knochensubstanz, sog. Matrix, nicht direkt
auf die Mineralisation.
Dankbar ist auch die Behandlung der
Migräne und anderer Kopfschmerzen
mit Vitamin B12. Sie entstehen auch, weil NO (Stickstoffoxid), das
die Gefässe erweitert, von Vitamin B12 bei dessen Mangel ungenügend
abgefangen, neutralisiert wird. Ähnlich ist es bei Neigung zu
tiefem Blutdruck und Kollaps.
Vitamin B12-Mangel kommt häufig vor,
auch wenn wir uns gesund ernähren, sogar zusätzlich verschiedene
Vitamin- und Spurenelementpräparate einnehmen. Es ist ähnlich wie
mit Vitamin D, Eisen
und Zink. Die Aufnahme des Vitamins B12 aus
der Nahrung ist ein komplizierter, störungsanfälliger Vorgang, der
auf das Wesentliche und Wichtige beschränkt im Bild 3 dargestellt
ist:
Bild 3.

Das Vorkommen und die Quellen des
Vitamins B12 haben wir bereits oben
besprochen.
Die Aufnahme (Resorption) wird beeinflusst durch
-
Magensäure, welche Vitamin B12
aus seinen Bindungen los löst,
-
den sogenannten „Intrinsic
Factor" (innerer Faktor), ein Glykoprotein (Verbindung
zwischen einem Kohlenhydrat und Protein), das sich mit Vitamin
B12 bindet, somit seine Zerstörung durch die Magensäure
verhindert und den weiteren Transport in den Dünndarm ermöglicht,
sowie
-
die Beschaffenheit der Dünndarmschleimhaut.
Es gibt eine Art von
Magenschleimhautentzündung (Gastritis A), eine Autoimmunkrankheit,
bei welcher die Magenschleimhaut wenig oder überhaupt keinen
Intrinsic Factor produziert. Eine andere Magenschleimhautentzündung
(Gastritis B) wird durch ein Bakterium, Helicobacter pylori verursacht.
Entweder schon von Anfang an oder erst nach gewisser Zeit führt die
Entzündung dazu, dass weniger Magensäure ausgeschieden wird. Auf
ihre Art vermindern die beiden Gastritiden die Aufnahme des Vitamins
B12 und führen zu dessen Mangel.
Jede Nahrungsmittelunverträglichkeit
(häufige Beispiele Milch-,
Fruchtzucker- Weizenproteinunverträglichkeit (Zöliakie))
kann die Schleimhaut des Dünndarmes so verändern, dass sie
verschiedene Stoffe, wie Vitamin B12, Folsäure, Eisen,
Zink weniger gut aufnimmt und so deren
Mangel verursacht. Auch Reizdarm ist eine
Mischung verschiedener Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
die Mangel dieser Stoffe, Vitamin B12 inbegriffen, verursachen können
und damit den Verlauf verschlimmern.
Magen- und Darmoperationen können
auch die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen.
Während seiner Wirkung, vor allem
als Stickstoffoxidfänger, wird Vitamin B12 verbraucht, der Grund,
warum wir es erneuern müssen. Ausser bei der Stoffwechselaktivität
(z.B. körperlich aktive Menschen wie Sportler brauchen mehr Vitamin
B12, was auch für andere Vitamine gilt), steigt auch die Sonnenstrahlung
und das Rauchen durch Stickstoffoxidproduktion (wie beim Smog) den
Bedarf an Vitamin B12. Cobalt im Vitamin B12 reagiert mit ihnen,
macht sie damit unschädlich, aber verliert dabei seine
Vitaminaktivität und wird als Cyanocobalamin schnell durch die
Niere ausgeschieden.
Es gibt Medikamente, welche über längere
Zeit eingenommen, Vitamin B12-Mangel hervorrufen können:
-
Hemmer der Magensäureproduktion.
-
Metformin, ein Mittel gegen hohen
Zucker, das die Aufnahme des Vitamins B12 beeinträchtigt.
-
Lachgas (NO2), ein altes
Narkosemittel, wird nicht mehr benützt, weil es relativ häufig
schwere B12-Hypovitaminosen verursachte. Vorsicht bei jungen
Patienten, es wird weiterhin als „Partydroge" benützt.
Wie kann man wissen, ob man genug
Vitamin B12 hat?
Äusserlich weisen dunkle
„Sonnenflecken" (nicht Sommersprossen!) darauf hin. Sonst
weisen verschiedene Beschwerden (s. Tabelle 1 oben) darauf hin. Da
eine verminderte Menge von Vitamin B12 (< 300 pcg/l) bei kranken
Menschen sehr häufig vorkommt (> 60%) und nicht nur auf alte
Leute beschränkt ist, bemühen wir uns in unserer Praxis bei fast
allen Patienten Vitamin B12 im Blut zu bestimmen.
Was kann man gegen Vitamin B12-Mangel tun?
Erstens sollte man möglichst dessen
Grund erfahren – Medikamente, Helicobacter Infektion, Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Wenn auch andere Vitamine (Folsäure) und Eisenvorräte
(Ferritin) vermindert sind, sollte man Zöliakie ausschliessen. Da
ein Vitamin B12-Mangel langsam, während Jahren entsteht, meldet
sich ein Magen- oder Darmkrebs schon früher mit anderen
Beschwerden.
Den Mangel kann man beheben durch
Vitamin B12 in Form von Injektionen, Kapseln oder Tabletten (Bild
4). Die Dosen müssen den täglichen Bedarf an Vitamin B12 mehrere
hundertmal überschreiten. Vitamin B12 in die Vene gespritzt, wird
fast vollständig durch die Niere ausgeschieden. Deswegen beginnt
man bei Blutarmut und schwerwiegenden Beschwerden, vor allem seitens
des Nervensystems, mit intramuskulären Spritzen 1 – 2 mal wöchentlich,
dann je nach Verlauf und Blutspiegel seltener. Wenn der Mangel
behoben ist, kann man auf Kapseln oder Tabletten übergehen, aber
man muss sich durch die Bestimmung des Vitamins im Blut
vergewissern, ob es genug aufgenommen wurde. Bei nicht so schweren
Beschwerden kann man mit Kapseln oder Tabletten beginnen, aber
wieder muss man sich bald (nach 3-4 Wochen) überzeugen, ob es ins
Blut übergeht.
Bild 4.

In manchen Ländern ist für die
Injektionen nur das Hydroxocobalamin zugelassen, weil das
Cyanocobalamin
-
schnell ausgeschieden und
-
nur langsam in die wirksamen
Formen (Hydroxo-, Methyl- oder Adenosincobalamin) umgewandelt
wird, sodass man es öfter injizieren muss, und
-
es ist eigentlich schädlich, vor
allem für die Nerven.
In geringerem Masse gilt es auch für
Tabletten oder Dragées, die in Europa Cyanocobalamin enthalten. Bei
den üblichen Vitaminpräparaten spielen die kleinen Mengen des
Cyanocobalamins vermutlich keine wesentliche Rolle, was man über
die rezeptpflichtigen hochdosierten Tabletten zur Behebung des
Mangels nicht sagen kann. Vor allem bei Schwangeren und Patienten
mit Nervenproblemen geben verantwortungsbewusste Ärzte das neuere
Methylcobalamin in Kapseln, die in Amerika und Japan erhältlich
sind. Man kann sie über Internet von seriösen Firmen beziehen,
noch dazu günstiger als die offiziell zugelassenen
Cyanocobalamin-Tabletten in unseren Apotheken.
Dieser unbefriedigende Zustand trifft nicht nur
Methylcobalamin und bleibt leider noch länger, weil die Ausgaben für
die Zulassung in der Schweiz relativ hoch sind – eine negative
Erscheinung der Medikamentenpolitik.
Da man den Grund für den Mangel
selten beheben kann, solle man die Zusätze langfristig nehmen und
den Bedarf, ihre Dosierung immer wieder durch Bestimmungen
kontrollieren. Die Kontrollen sind auch deswegen nötig, weil bei
Substanzen, deren Menge so fein reguliert wird - andere Beispiele
Calcium, Eisen – ein Überfluss schädlich
ist. Es gibt Hinweise, dass es auch mit Vitamin B12 der Fall ist.
Was bieten wir?
-
Beratung.
-
Bestimmung der Vitamin B12-Menge
im Blut.
-
Bei Mangel suchen wir nach dem
Grund,
-
den wir zu beheben bemüht sind
und
-
gleichen ihn entweder mit
-
Hydroxocobalamin-Spritzen oder
-
Methylcobalamin Kapseln aus. Dies
richtet sich nach der Aufnahme (Resorption) des Vitamins B12
(s.o.) und dem Wunsch des Patienten.
-
Kontrollen und die Anpassung der
Dosierung den Bedürfnissen entsprechend.
*
Falls
Sie uns wieder besuchen möchten
(was uns unheimlich freuen würde)
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