Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
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Letzte Redaktionsänderung 20.12.2009

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Vitamin B12 und Ernährung

Vitamin B12 hat eine komplizierte chemische Struktur, die mit zwei weiteren biologisch wichtigen Substanzen verwandt ist – dem grünen Farbstoff Chlorophyll aus den Pflanzen und dem roten Farbstoff der Blutkörperchen Häm. Chlorophyll umwandelt die Sonnen- in die chemische Energie und bildet dabei Zucker. Hämoglobin transportiert Sauerstoff. Während Chlorophyll in Mitte der Ringe das Magnesium und Häm das Eisen enthält, umklammert Vitamin B12 dort das Cobalt (Bild 1). Vitamin B12 hilft u.a. verschiedene chemische Gruppen zu übertragen.

Bild 1.

 

Menschen können Vitamin B12 überhaupt nicht produzieren. Bakterien und Hefen tun es für uns. Da wir pro Tag sehr wenig Vitamin B12 brauchen (3-5 mcg), reichen dafür die üblichen bakteriellen Verunreinigungen der Nahrungsmittel und Gärungsprodukte wie Joghurt, Käse, Brot, Sauerkraut, Bier. Fleisch und vor allem Leber enthalten viel Vitamin B12. Veganer und Vegetarier leiden eher unter Vitamin B12-Mangel, da sie diese Vitamin B12 reichen Nahrungsmittel meiden.

Es ist bekannt, dass viele Inder (Vegetarier und Veganer) einen Vitamin B12-Mangel erst ausweisen, wenn sie emigrieren und in westlichen „hygienischeren" Verhältnissen leben. Unsere Darmbakterien produzieren zwar auch Vitamin B12, aber in den unteren Darmabschnitten, wo wir es nicht mehr aufnehmen können.

Vitamin B12 beteiligt sich an vielen lebensnotwendigen Stoffwechselvorgängen (Bild 2). Die wichtigsten und bekanntesten sind:

  • Methylierung bei Synthese der Nukleinsären

  • Methylierung bei der Synthese der Proteinen, wozu auch die Umwandlung von Homocystein in Methionin gehört

  • Antioxidation - an fangen von NO und anderen Stickstoffoxiden (nicht im Bild 2)

Bild 2.

Entsprechend breit und schwerwiegend sind die Folgen des Vitamin B12 Mangels. Sie treffen jedes Organsystem. Beispiele in Tabelle 1:

Tabelle 1.

Blut

Blutarmut

Immunsystem

Abwehrschwäche, Infektionen, Autoimmunkrankheiten

Nervensystem

Störungen der Funktion von Rückenmark und peripheren Nerven (Myelo- und Neuropathie), Schmerzen, Demenz, M. Parkinson, Epilepsie, Depression, Schizophrenie, Hirnschlag, Migräne, Schwindel, Ohrensausen (Tinnitus), Chronische Müdigkeit

Muskel

Verminderte Leistung, Schmerzen (Fibromyalgie)

Knochen

Knochenschwäche (Osteoporose), verminderte Knochenheilung

Lunge

Asthma, Chronische Obstruktive Lungenkrankheit (COPD, früher Emphysem)

Haut

Ekzem, Schuppenflechte, Pigmentstörungen (sowohl weisse wie dunkle Flecken)

Magen-Darm

Gestörte Bewegung, Reizdarm, chronische Darmentzündungen

Nieren

Nierenschwäche, Entzündungen

Herz-Kreislauf

Durchblutungsstörungen, Herzschwäche, tiefer Blutdruck (Hypotonie) und Kollaps

Geburtshilfe

Missbildungen, erschwerte Geburt, müde „floppy" babies

Pädiatrie

Wachstumsstörungen

Eher unbekannt ist der Einfluss des Vitamin B12-Mangels auf die Knochen (Tab. 2). In einer Studie aus Japan nahmen einseitig gelähmte Patienten, welche oft und schwer stürzen, Vitamin B12 (Methylcobalamin). Die Zahl aller Knochenbrüche wie auch der Hüftbrüche sank bei 280 Patienten um ¾! Die Knochendichte wurde dabei nicht geändert, d.h. Vitamin B12 wirkt auf die Knochensubstanz, sog. Matrix, nicht direkt auf die Mineralisation.

Dankbar ist auch die Behandlung der Migräne und anderer Kopfschmerzen mit Vitamin B12. Sie entstehen auch, weil NO (Stickstoffoxid), das die Gefässe erweitert, von Vitamin B12 bei dessen Mangel ungenügend abgefangen, neutralisiert wird. Ähnlich ist es bei Neigung zu tiefem Blutdruck und Kollaps.

Vitamin B12-Mangel kommt häufig vor, auch wenn wir uns gesund ernähren, sogar zusätzlich verschiedene Vitamin- und Spurenelementpräparate einnehmen. Es ist ähnlich wie mit Vitamin D, Eisen und Zink. Die Aufnahme des Vitamins B12 aus der Nahrung ist ein komplizierter, störungsanfälliger Vorgang, der auf das Wesentliche und Wichtige beschränkt im Bild 3 dargestellt ist:

Bild 3.

Das Vorkommen und die Quellen des Vitamins B12 haben wir bereits oben besprochen.
Die Aufnahme (Resorption) wird beeinflusst durch

  • Magensäure, welche Vitamin B12 aus seinen Bindungen los löst,

  • den sogenannten „Intrinsic Factor" (innerer Faktor), ein Glykoprotein (Verbindung zwischen einem Kohlenhydrat und Protein), das sich mit Vitamin B12 bindet, somit seine Zerstörung durch die Magensäure verhindert und den weiteren Transport in den Dünndarm ermöglicht, sowie 

  • die Beschaffenheit der Dünndarmschleimhaut.

Es gibt eine Art von Magenschleimhautentzündung (Gastritis A), eine Autoimmunkrankheit, bei welcher die Magenschleimhaut wenig oder überhaupt keinen Intrinsic Factor produziert. Eine andere Magenschleimhautentzündung (Gastritis B) wird durch ein Bakterium, Helicobacter pylori verursacht. Entweder schon von Anfang an oder erst nach gewisser Zeit führt die Entzündung dazu, dass weniger Magensäure ausgeschieden wird. Auf ihre Art vermindern die beiden Gastritiden die Aufnahme des Vitamins B12 und führen zu dessen Mangel.

Jede Nahrungsmittelunverträglichkeit (häufige Beispiele Milch-, Fruchtzucker- Weizenproteinunverträglichkeit (Zöliakie)) kann die Schleimhaut des Dünndarmes so verändern, dass sie verschiedene Stoffe, wie Vitamin B12, Folsäure, Eisen, Zink weniger gut aufnimmt und so deren Mangel verursacht. Auch Reizdarm ist eine Mischung verschiedener Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die Mangel dieser Stoffe, Vitamin B12 inbegriffen, verursachen können und damit den Verlauf verschlimmern.

Magen- und Darmoperationen können auch die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen.

Während seiner Wirkung, vor allem als Stickstoffoxidfänger, wird Vitamin B12 verbraucht, der Grund, warum wir es erneuern müssen. Ausser bei der Stoffwechselaktivität (z.B. körperlich aktive Menschen wie Sportler brauchen mehr Vitamin B12, was auch für andere Vitamine gilt), steigt auch die Sonnenstrahlung und das Rauchen durch Stickstoffoxidproduktion (wie beim Smog) den Bedarf an Vitamin B12. Cobalt im Vitamin B12 reagiert mit ihnen, macht sie damit unschädlich, aber verliert dabei seine Vitaminaktivität und wird als Cyanocobalamin schnell durch die Niere ausgeschieden.

Es gibt Medikamente, welche über längere Zeit eingenommen, Vitamin B12-Mangel hervorrufen können:

  • Hemmer der Magensäureproduktion.

  • Metformin, ein Mittel gegen hohen Zucker, das die Aufnahme des Vitamins B12 beeinträchtigt.

  • Lachgas (NO2), ein altes Narkosemittel, wird nicht mehr benützt, weil es relativ häufig schwere B12-Hypovitaminosen verursachte. Vorsicht bei jungen Patienten, es wird weiterhin als „Partydroge" benützt.

Wie kann man wissen, ob man genug Vitamin B12 hat?

Äusserlich weisen dunkle „Sonnenflecken" (nicht Sommersprossen!) darauf hin. Sonst weisen verschiedene Beschwerden (s. Tabelle 1 oben) darauf hin. Da eine verminderte Menge von Vitamin B12 (< 300 pcg/l) bei kranken Menschen sehr häufig vorkommt (> 60%) und nicht nur auf alte Leute beschränkt ist, bemühen wir uns in unserer Praxis bei fast allen Patienten Vitamin B12 im Blut zu bestimmen.

Was kann man gegen Vitamin B12-Mangel tun?

Erstens sollte man möglichst dessen Grund erfahren – Medikamente, Helicobacter Infektion, Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Wenn auch andere Vitamine (Folsäure) und Eisenvorräte (Ferritin) vermindert sind, sollte man Zöliakie ausschliessen. Da ein Vitamin B12-Mangel langsam, während Jahren entsteht, meldet sich ein Magen- oder Darmkrebs schon früher mit anderen Beschwerden.

Den Mangel kann man beheben durch Vitamin B12 in Form von Injektionen, Kapseln oder Tabletten (Bild 4). Die Dosen müssen den täglichen Bedarf an Vitamin B12 mehrere hundertmal überschreiten. Vitamin B12 in die Vene gespritzt, wird fast vollständig durch die Niere ausgeschieden. Deswegen beginnt man bei Blutarmut und schwerwiegenden Beschwerden, vor allem seitens des Nervensystems, mit intramuskulären Spritzen 1 – 2 mal wöchentlich, dann je nach Verlauf und Blutspiegel seltener. Wenn der Mangel behoben ist, kann man auf Kapseln oder Tabletten übergehen, aber man muss sich durch die Bestimmung des Vitamins im Blut vergewissern, ob es genug aufgenommen wurde. Bei nicht so schweren Beschwerden kann man mit Kapseln oder Tabletten beginnen, aber wieder muss man sich bald (nach 3-4 Wochen) überzeugen, ob es ins Blut übergeht.

Bild 4.

In manchen Ländern ist für die Injektionen nur das Hydroxocobalamin zugelassen, weil das Cyanocobalamin

  • schnell ausgeschieden und

  • nur langsam in die wirksamen Formen (Hydroxo-, Methyl- oder Adenosincobalamin) umgewandelt wird, sodass man es öfter injizieren muss, und

  • es ist eigentlich schädlich, vor allem für die Nerven.

In geringerem Masse gilt es auch für Tabletten oder Dragées, die in Europa Cyanocobalamin enthalten. Bei den üblichen Vitaminpräparaten spielen die kleinen Mengen des Cyanocobalamins vermutlich keine wesentliche Rolle, was man über die rezeptpflichtigen hochdosierten Tabletten zur Behebung des Mangels nicht sagen kann. Vor allem bei Schwangeren und Patienten mit Nervenproblemen geben verantwortungsbewusste Ärzte das neuere Methylcobalamin in Kapseln, die in Amerika und Japan erhältlich sind. Man kann sie über Internet von seriösen Firmen beziehen, noch dazu günstiger als die offiziell zugelassenen Cyanocobalamin-Tabletten in unseren Apotheken.

Dieser unbefriedigende Zustand trifft nicht nur Methylcobalamin und bleibt leider noch länger, weil die Ausgaben für die Zulassung in der Schweiz relativ hoch sind – eine negative Erscheinung der Medikamentenpolitik.

Da man den Grund für den Mangel selten beheben kann, solle man die Zusätze langfristig nehmen und den Bedarf, ihre Dosierung immer wieder durch Bestimmungen kontrollieren. Die Kontrollen sind auch deswegen nötig, weil bei Substanzen, deren Menge so fein reguliert wird - andere Beispiele Calcium, Eisen – ein Überfluss schädlich ist. Es gibt Hinweise, dass es auch mit Vitamin B12 der Fall ist.

Was bieten wir?

  • Beratung.

  • Bestimmung der Vitamin B12-Menge im Blut.

  • Bei Mangel suchen wir nach dem Grund,

  • den wir zu beheben bemüht sind und

  • gleichen ihn entweder mit

  • Hydroxocobalamin-Spritzen oder

  • Methylcobalamin Kapseln aus. Dies richtet sich nach der Aufnahme (Resorption) des Vitamins B12 (s.o.) und dem Wunsch des Patienten.

  • Kontrollen und die Anpassung der Dosierung den Bedürfnissen entsprechend.

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(was uns unheimlich freuen würde)

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