Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
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Rotation oder der Sprung vom 3-m-Brett

 

Ich liebte sie so innig, wie man es mit 16 Jahren nur kann, fürchtete aber, ihre Liebe zu verlieren, weil ich mich im Sommer jenes Jahres nicht so anmutig, wie mancher unserer Schulkollegen und viele andere Besucher der Badeanstalt, vom 3-m-Sprungbrett Kopf voran ins Wasser stürzen konnte. Eigentlich konnte ich es überhaupt nicht. Mehrmals bin ich auf den Turm geklettert mit dem festen Entschluss, den "Köpfler" zu wagen, es endete immer mit dem einfachen, schäbigen Sprung auf die Beine. Dass wir nicht Händchen haltend unter der Linde auf dem Bänkli vor dem Haus sitzend unseren Lebensabend verbringen, lag aber nicht daran. Später liebte ich auch innig, aber die Aufgaben, welche ich zu erfüllen glaubte, damit die Liebe erhalten bleibt, waren einfacher.

Nach etlichen Jahren, nach dem der Sohn das Schwimmen erlernte, folgte unvermeidlich die nächste Stufe, der Sprung vom Startblock, den ich ihm problemlos zeigen und beibringen konnte. Wie zu erwarten war, wollte er dann höher hinaus, natürlich vom 3-m-Brett springen. Ich ging voran, wie es sich gehört. Nach ein paar Tagen, als wir schon mehrmals gesprungen waren, fragte er, ob ich auch den "Köpfler" von 3 m Höhe könne. "Nichts leichter als das", antwortete ich, kletterte bedächtig auf das Brett, stürzte mich Kopf voran runter, ohne Schaden zu nehmen, stieg triumphierend aus dem Wasser und erklärte ihm, wozu er mich gebracht hatte. Nachdem ich Jahre später monatelang unter einem Bandscheibenschaden an der Halswirbelsäule litt und froh war, wenigstens auf dem Rücken schwimmen zu können, dachte ich, mit dem "Köpfler", schon nur vom Schwimmbeckenrand aus, ist es bei mir für immer "Schluss-Fidibus".

Es verfloss wieder viel Wasser in der Sitter. Die Enkelin war sehr stolz, dass sie schon, vorläufig nur mit den "Flügeli" an den Armen schwimmen konnte. Ihrem Wunsch entsprechend, zeigte ich ihr bereits den "Köpfler". Klar, sie konnte mir mit den Flügeln noch nicht folgen. Wir mieden Badeanstalten mit einem 3-m-Brett, aber es gibt in jeder, die etwas auf sich hält und kinderfreundlich gelten will, eine Säule mit Ketten. Die Kinder, und man sieht aus unbegreiflichen Gründen nur Kinder diesem Vergnügen frönen, hängen sich mit den Händen an den an einer Kette befestigten Bügel, stiessen sich mit den Beinen ab und zu vom Boden ab und fliegen im Kreis herum. Je schneller, desto grösser ist der Spass. Im Land, in dem ich aufgewachsen bin, ist dieses Spiel unbekannt. Als es die Enkelin einmal probierte, landete sie auf den Knien. Die schmerzhaften Schürfungen schreckten sie jedoch nicht ganz ab, sie schaute immer wieder bewundernd und sehnsüchtig den Herumwirbelnden zu. Sie sagte nichts, aber man merkte, sie möchte es wieder versuchen. Ich würde sicher vorsichtiger, rücksichtsvoller angeben und mitfliegen als die Kinder.

Eines Morgens begab ich mich in die Badi, früh genug, um möglichst ohne Zuschauer zu trainieren, aber ich fand die Ketten noch verschlossen und an die Säule gebunden. Ein anderes Mal versuchte ich es gegen Abend, wartete bis die Kinder den Platz verlassen hatten, hing mich an einen Bügel, sprang, gab an und flog um die Säule herum. Es gelang mir immer leichter, schneller, besser, entspannter. Jetzt zeigten plötzlich auch Halbwüchsige und Erwachsene Interesse am Ringelspiel. Aber anstatt zu kommen und mit zu drehen und mit zu fliegen, beobachteten sie nur aus sicherer Entfernung meine Übungen. Manche erdreisteten sich sogar und riefen etwas in meine Richtung. Macht nichts, Hauptsache, die Enkelin kann jetzt ruhig zu uns in die Ferien kommen. Ich ahne, bei der guten Tochter unseres Sohnes kommt unvermeidlich einmal die Zeit, wenn ich mich wieder Kopf voran vom 3-m-Brett ins Wasser werfen muss. Die Bandscheibe ist doch verheilt.

Das Leben ist, frei nach Schoppenhauer, eine Spiralbewegung. Mit der Zeit drehen wir uns immer schneller in immer kleineren Kreisen, wie die Nadel auf einer Schellackplatte. Wie oft werde ich noch ins Wasser, ob mit dem Kopf oder mit den Beinen voran springen (können)?

 

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