Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
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Letzte redaktionelle Änderung 16.2.04

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Sport und Ernährung

 

Auf Höhe der Affäre um P. Schnyder erschien in der "Neuen Zürcher Zeitung" ein Artikel über ihre Ernährung. Aus dem Artikel und meinem (P.M.) Lesebrief können Sie sich über Probleme der Sportler-Ernährung informieren und im Gesprächsforum Ihre Erfahrung und Meinung bekanntgeben und diskutieren.

Neue Zürcher Zeitung SPORT Samstag, 20.02.1999 Nr. 42:57

   

Veganismus mit Spitzensport unvereinbar

 

 
   


Schweizer Ernährungswissenschafter warnt Patty Schnyder

 

 

(spg) Patty Schnyder war als Titelhalterin von Hannover in ihrem ersten Spiel nicht auf der Höhe, weder physisch noch mental. Wie in Melbourne war ihr erster Turnierauftritt zugleich der letzte. Angesichts der privaten Probleme der letzten Wochen und des unsäglich Medienrummels in Niedersachsen darf dies nicht überraschen. Ruhe wird indes erst dann einkehren, wenn bald wieder bessere Resultate folgen. Fachleute bezweifeln, dass dem so sein wird, unter anderem auch wegen der umgestellten Ernährung.

Im Zuge ihrer bedingungslosen Zusammenarbeit mit Ernährungs- und Fitnessbetreuer Rainer Harnecker hat Schnyder auch ihre Essgewohnheiten radikal geändert. Die 20jährige, die in Australien innert kurzer Zeit drei bis vier Kilo verloren hat und sich nach eigenen Aussagen so gut wie noch nie fühlt, beginnt jetzt jeden Tag mit dem Genuss von Früchten, trinkt täglich zwei Liter selbst- und frischgepressten Orangensaft und verzichtet auf tierische Produkte. Milch, Eier und Fleisch fehlen somit weitgehend auf dem Menuplan, Schnyder ist auf dem Weg, eine sogenannte Veganerin zu werden.

Für Christof Mannhart, Ernährungswissenschafter an der Eidgenössischen Sportschule in Magglingen, birgt diese Art der Ernährung für eine Spitzensportlerin grosse Gefahren. Obwohl seiner Ansicht nach anfänglich aus psychischen Gründen durchaus positive Effekte zu erzielen sind, könne die Rechnung spätestens nach einigen Wochen aus Gründen einer optimalen Energiebereitstellung nicht mehr aufgehen. Nach harten Trainings oder langen Wettkämpfen sei eine ausreichend schnelle Regeneration nicht gewährleistet. Mittel- bis langfristig, meint Mannhart, würden neben starken Verlusten von Muskelmassen auch die Eisen-, Kreatin-, Karnitin- und Zinkstoffwechsel in Mitleidenschaft gezogen, ebenso könne ein Mangel an Vitamin B12 auftreten. «Dass es dann besonders bei grossen Belastungen zu einem gravierenden Leistungsabfall kommt, ist im Prinzip unvermeidlich.»

Zu den Schweizer Athleten, die eine radikale Ernährungsumstellung teuer bezahlt haben, zählen der frühere Radprofi Urs Zimmermann und der sechsfache Zehnkampfmeister Beat Gähwiler, der auch international gute Leistungen erzielte (EM-7., WM-11., Olympia-12.). Gähwiler erinnert sich an seine Krise zurück. Er habe damals extrem umgestellt und sei in ein Loch gefallen. Der 34jährige hatte im Jahr 1992 auf vegetarische Ernährung umgestellt, seiner Meinung nach liegt darin aber noch ein gewaltiger Unterschied zur veganischen Nahrungsaufnahme: «Fleischlos zu leben ist kein Problem, wenn man die Ernährung mit Zusätzen ergänzt, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Ohne Eiweisse von Tieren kann es aber im Spitzensport höchstens im Ausdauerbereich funktionieren, nicht aber, wo primär Schnelligkeit und Schnellkraft gefordert sind.»

Erschwerend kommt hinzu, dass im Tennis die Saison rund elf Monate dauert, in denen permanent Höchstleistungen gefordert sind, ein gezielter Aufbau während des Jahres im Gegensatz zu anderen Sportarten also kaum möglich ist. Gähwiler ist sogar überzeugt, dass Schnyder zwar punkto körperlichem Wohlbefinden und Ausdauer Fortschritte machen, in den anderen zentralen Bereichen aber rapid abbauen wird: «Sie wird zwar länger durchhalten, auf dem Platz aber langsamer reagieren und bei Schnelligkeit und Schnellkraft viel einbüssen.» Zu den physischen kommen technische Probleme hinzu. Wenn eine Athletin Gewicht verliert, tangiert dies die Stabilität ihres Körpers im Moment, in dem sie mit dem Schläger den Ball trifft und beschleunigt.

Auch die Langzeitprognosen sind düster. In zwei bis drei Jahren, prophezeit Mannhart, könnten sich die Probleme dann nicht mehr nur auf die spielerische Leistung auswirken. Als mögliche Folgen bezeichnet er ein geschwächtes Immunsystem, stärkere Anfälligkeit auf Viruserkrankungen, erhöhte Anfälligkeit auf Übertraining, verbunden mit physischen wie auch psychischen Erschöpfungszuständen, gesteigerte Probleme mit dem Menstruationszyklus und damit mögliche Knochenstoffwechselstörungen. Eine einseitige Ernährung über längere Zeit sei fatal und könne die Karriere stark gefährden, sagt Mannhart.

Die Entwicklung wird auch von Vito Gugolz, dem neuen Coach Patty Schnyders, kritisch verfolgt. Gugolz, der die Testphase mit der Baslerin vorerst einmal bis zum Turnier von Indian Wells verlängert hat, macht sich Gedanken und spricht von einer Analysierung möglicher Folgen. Gugolz hat als Turn- und Sportlehrer durchaus die Kompetenz, sich in diesen Dingen ein Urteil zu bilden, ist beim derzeitigen Stand der Dinge aber gut beraten, nicht radikal einzugreifen. «Ich glaube nicht, dass man es sich im Spitzensport leisten kann, nach derart extremen Mustern zu leben.»

Der Leserbrief dazu:

"Es ist verdienstvoll, wenn die Sportredaktion der "NZZ" den "Fall Patty Schnyder" für seriöse Gedanken und Überlegungen über die gesunde Ernährung im allgemeinen und der Sportler im besonderen, nützt. Die Ernährung der Sportler ist auch aus Konkurrenzgründen mit Geheimnissen umhüllt. Man hört nur, dass sie sich besonders ernähren, Lendl und viele andere seien z.B. Vegetarier, die Velofahrer verspeisen kiloweise Spaghetti und die Bodybildner Unmenge von Steaks, usw.

Zu den im oben genannten Artikel geäusserten Ansichten erlaube ich mir folgendes zu bemerken:

Die Ernährung ist für die Sportler, ähnlich wie bei Zuckerkranken, sehr wichtig. Beide Gruppen reagieren auf diesbezügliche Fehler sehr empfindlich. Die Zuckerkranken mit der Erhöhung des Blutzuckers, die Sportler mit der Einbusse von Leistung, gemeinsam mit gesundheitlichen Problemen. Ihre Ernährung soll den Bedürfnissen entsprechen, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine gut durchdachte, bilanzierte, wie Ch. Mannhart ausführte, bei Sportlern eventuell durch Zutaten ergänzte, veganische Ernährungsweise, nicht möglich wäre. Sie kann sogar, wie wir sehen werden, Vorteile haben. Mit Kombinationen verschiedener pflanzlicher Quellen, wie z.B. Mais und Bohnen, Kartoffeln und Maroni, Getreide und Nüsse, bekommt man auch ohne Fleisch, Eier und Milchprodukte genug hochwertiges Eiweiss. Umgekehrt, man läuft nicht die Gefahr, zu viel Eiweiss und Fett zu sich zu nehmen. Der Überfluss an Eiweiss belastet unnötig den Stoffwechsel. Die Quellen des tierischen Eiweisses (Fleisch, Käse) wird reichlich gesalzen und damit ist eine Wasseransammlung verbunden, die den Kreislauf belastet und das Gewicht erhöht. (Zu viel) Fett (Fleisch, Käse) wird direkt in Fettreserven umgelagert und wiederum erhöht auch das Gewicht. Abgesehen vom Sumo-Ringer, dessen Kämpfe selten 1-2 Minuten übersteigen, bemühen sich vor allem Ausdauersportler jedes überflüssige Gram ihres Gewichtes abzubauen, da dieses während Stunden mitzuschleppen unnötige Energie kostet.  Tennis, von Patty Schyder ausgeübt, ist eine Mischung aus Kraft- und Ausdauersport. Ihre schnelle Gewichtsabnahme (wie schnell war sie eigentlich?) ist bedenklich und sollte eine Warnung an verschiedene Experten sein, die Übergewichtigen noch mehr als 4 kg Gewichtsabnahme pro Monat zumuten wollen. Eine Mehrstunden pro Tag trainierende Sportlerin sollte schnell ihren Bewegungsablauf dem tieferen Körpergewicht anpassen können. Sie tut es, zu Ihrem Vorteil, wie uns das Beispiel von L. Davenport lehrt. Ähnlich wie hochwertiges Eiweiss, kann man auch genug Zink, Eisen, sogar auch VitaminB12 (Algenprodukte u.a.) aus pflanzlicher Kost bekommen. Kreatin erhöht das Gewicht und wird aus obengenannten Gründen von vielen Ausdauersportlern, z. B. schon von Slalomfahrern, abgelehnt. Es bleibt von den von Herrn Mannhart erwähnten Stoffen nur das Karnitin, das bei der Fettverbrennung nötig ist und bei vermehrtem Bedarf zusätzlich eingenommen werden kann.

Herrn Mannhart kann man zustimmen, dass täglich 2 Liter Orangensaft, ob frisch und selbstgepresst, oder nicht, schädlich ist. Dies trifft aber bei allem zu, wenn täglich dieselben Lebensmittel verzehrt werden, sei es Banane, Kiwi, Kartoffel, Getreidemüsli, Spaghetti, Reis, Steak, Ei, Milch, Joghurt, Käse oder Isostar, usw. Es führt nicht nur zu Leistungseinbussen, früherer Erschöpfung und vermehrter Müdigkeit, sondern auch zu verschiedenen Gesundheitsproblemen (unter denen Hochleistungssportler auch deswegen oft leiden). Abwechslung, sogenannte Rotation mit Lebensmitteln, ist nicht nur bei Sportlern und Kranken, sondern bei uns allen angesagt!

Noch zum "Fall Patty Schnyder": es ist für sie wichtig, ob mit oder ohne Fleisch, Eier, Milchprodukten, ihren Kampf um selbständiges Denken und selbständiges Leben zu gewinnen, auch wenn sie dabei ein paar Tenisspiele verliert. Solche Auseinandersetzungen werden nicht selten über die Ernährung ausgetragen."

Mehr über Sport und Ernährung s. "Säure-Basen-Haushalt, Übersäuerung, ihre Folgen und was dagegen zu tun ist", "Die Ernährung der Sportler mit Abstand (und Witz) betrachtet" und "Ernährung und Immunologie der Bewegung oder Sport und die Infektionsabwehr".

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