Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
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Letzte redaktionelle Änderung 20.1.2007

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Nierensteine und Ernährung

 

Unter Nierenkoliken, den schmerzhaften Folgen der Nierensteine, leiden während ihres Lebens 5 - 18 % der Menschen in den "Wohlstandsländern", Tendenz steigend. Die Koliken wiederholen sich in 10 Jahren bei der Hälfte, in 20 Jahren bei 3/4 der Menschen, die schon einmal darunter gelitten haben. Männer sind davon doppelt so oft befallen wie Frauen. Die Nierensteine gehören zu den sog. "Zivilisationskrankheiten", zum "Metabolischen Syndrom", oder "Syndrom X". Die Ernährung beeinflusst weitgehend ihr Vorkommen.

Wie:

Die Nierensteine bestehen aus verschiedenen Stoffen. Der Anteil der Steinen aus den Kalziumsalzen Oxalat und Phosphat steigt stetig und beträgt jetzt 80 - 85% aller Nierensteine. Sehr lange meinte man wie bei der Osteoporose fälschlicheweise das Kalzium sei das Wichtigste für die Entstehung der Nierensteinen. Man empfahl sogar die kalziumarme Ernährung, um die Entstehung der Steine zu verhindern, was, wie sich gezeigt hat (die Gründe unten), sogar die Bildung der Nierensteinen noch fördert.

Jetzt konzentriert man sich im Allgemeinen auf den anderen Teil des in den Nierensteinen häufigsten Salzes, auf das Oxalat. Es ist schon besser, aussichtsreicher, aber auch nicht des Pudels Kern.

Freie Oxalsäure kommt in vielen, vor allem sauren pflanzlichen Lebensmitteln vor*. Im Darm bildet sie verschiedene Salze, unter anderem auch mit Kalzium. Dieses Salz, Kalziumoxalat, ist jedoch schwer löslich, wird von der Darmschleimhaut nicht durchgelassen und mit dem Stuhl ausgeschieden. Je weniger Kalzium wir einnehmen, desto weniger Kalziumoxalat sich bilden kann. Die anderen, besser löslichen Oxalatsalze (Natrium- und Kaliumoxalat) kommen leicht durch die Darmschleimhaut in das Blut und später in den Urin, wo dann die Kalziumoxalatsteine entstehen können. Das ist der Grund, warum die Empfehlung, wenig Kalzium zu essen, bei Nierensteinpatienten falsch war. Nur ist es so, dass die Oxalsäure von verschiedenen Menschen sowieso unterschiedlich aus dem Darm aufgenommen wird. Dieser Anteil ist so wie so relativ unbedeutend zur Menge, die im Stoffwechsel bei der Umwandlung von Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten im Körper gebildet wird. Essen wir zu viel von diesen Hauptnahrungsmittel, wird die Oxalsäure wenig abgebaut. Sie sammelt sich und "übersäuert" uns als ziemlich starke Säure. (Sie gehört zu den sauren "Schlacken" der Alternativmedizin). Die Niere scheidet dann mehr Oxalsäure in den Urin aus. Je mehr wir Eiweiss (Fleisch, Käse) mit den starken Schwefel- und Phosphorsäuren essen, desto saurer sind wir  und desto mehr Oxalsäure ausgeschieden wird.

Die starken Säuren (Oxal- und Schwefelsäure) müssen gegen die Schwachen ausgetauscht werden, sonst würden die Nierenzellen durch die plötzliche starke Verschiebung des Säuren-Basen-Zustandes geschädigt. So werden dem ursprünglichen Urin die schwachen Säuren, vor allem die Zitronensäure (und die Harnsäure) entzogen. Die Zitronensäure aber wirkt (als ein wirksamer Puffer) gegen den Ausfall von Kalziumoxalatkristallen. Mit den Kristallen beginnt die Bildung der Nierensteine. Also, je weniger Zitronensäure im Urin, desto eher entstehen die Nierensteine.

Es gibt noch einen wichtigen Grund, warum die Ernährung reich an Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten die Bildung der Nierensteine fördert. Je mehr wir Fleisch, Käse, Fett essen, desto weniger haben Getreide, Gemüse, Nüsse und Früchte Platz auf unserem Tisch. Sie aber enthalten die Basen Kalium und Magnesium in grösseren Mengen. Bei genug Kalium bildet die Oxalsäure im Urin das gut lösliche Kaliumoxalat, das keine Kristalle und Steine ergibt. Je weniger Kalium wir einnehmen, desto weniger wird ausgeschieden. Statt dessen gelangt mehr Kalzium in den Urin (s. Knochen), das sich mit Oxalsäure  zum schlecht löslichen Kalziumoxalat bindet und Nierensteine bildet!

Warum nicht alle Menschen, die sich reichlich ernähren, unter Nierensteinen leiden:

Jeder von uns hat eine oder mehrere schwache Stellen, an welchen sich die Stoffwechselüberlastung zuerst oder am meisten zeigt. Bei den Nierenstein-Patienten ist es die verminderte Fähigkeit der Nierenzellen, die Säure auszuscheiden (fachlich Neigung zu sogenannter inkompletter tubulärer Azidose). Sie sind damit ähnlich den Gichtpatienten aus anderem Grund gegen die Übersäuerung und/oder Mangel an Basen empfindlicher. Sie reagieren eher mit vermehrter Ausscheidung von Oxalat und Kalzium - Grundlage der meisten Nierensteinen.

Was können wir gegen (weiteren) Nierensteine und schmerzhafte Nierenkoliken tun, wie können wir dagegen sehr erfolgreich vorbeugen:

Genug Flüssigkeit (richtiges Mineralwasser!) zu sich nehmen und sich basisch betont ernähren, d. h. mehr basenhaltige und weniger säurehaltige Speisen essen!

Folgender Fachartikel beschäftigt sich mit Zusammenhang zwischen Ernährung und Nierensteinen: Hess B: Nephrolithiasis. Schweiz Med Forum 2001;1:1119-27 (über Suche erreichbar) und unser Leserbrief dazu. Eine ausgezeichnete Übersicht in englischer Sprache hier.

* Lebensmittel mit hohem Inhalt an Oxalsäure (mg / 100 g):
Rhabarber 250 - 1000; Spinat 350 -750; Mangold um 650; rote Bete 100 - 400;
   Löwenzahn 250; Walnuss 550; Mandeln 350; Erdnuss 250; Kakao 400 - 600; Schokolade 80 - 200. Wegen dem hohen Gehalt an Kalium und Magnesium muss man nur Rhabarber-Konsum beschränken. Dazu die Erklärung im folgenden Leserbrief:, der in der "Medical Tribune" veröffentlicht wurde:

"Betr.: Eisenmangel Vegetarier haben es schwer. Med Trib 2006;39(33):4-5. 

Warum Popeye doch recht hat 

Laut diesem Referat wurde Popeye auf dem 1. Basler Eisen-Symposium des Irrtums bezichtigt. Es wurde dort behauptet, wer das von ihm geliebte Kräftigungsmittel Spinat esse, erlebe eine Enttäuschung, weil Spinat wegen seines hohen Gehaltes an Oxalsäure kein Eisenspender, und damit kein Kraftmittel sei. Da er die Medical Tribune leider nicht liest und sich selbst nicht wehren kann, springe ich für ihn ein. Es handelt sich dabei aus folgenden Gründen um eine üble Verleumdung  sowohl von Popeye wie auch bezüglich Spinat:

  1. Spinat enthält zwar, wie die Tabelle zeigt, sehr viel Oxalsäure, aber (stochiometrisch) noch mehr Kalium. Oxalsäure zieht die Bindung mit Kalium, als ein einfaches, relativ kleines Ion, derjenigen mit anderen, grösseren und schwächeren Ionen wie Eisen (und auch Kalzium!) vor. Man kann auch sagen, sie wird dazu gezwungen. Solange sie genug Kalium (oder Natrium) findet, kümmert sie sich keinen Deut um die schwachen zwei- oder dreiwertigen Eisenionen. 

  2. In Bohnen (als Gemüse mit dem zweithöchsten Inhalt an Eisen) gibt es zwar viel weniger Oxalsäure als im Spinat, auf der anderen Seite enthält die Bohne wesentlich mehr Phosphat, das richtigerweise auf dem Symposium auch als ein Eisenbinder, übrigens ein viel stärkerer als Oxalsäure, bezeichnet wurde.

 

Spinat

Bohnen

Oxalat mE/100 g

15,0

1,0

Kalium mE/100g

17,0

17,4

Kalium – Oxalat (mE)

2,0

16,4

Eisen++/+++ mE/100g

0,14/0,21

0,11/0,16

Calcium mE/100g

3,1

2,8

Phosphor mg/100g

51

429

  1. Die Bilanz ist ungenau, wenn wir weitere Ionen nicht miteinbeziehen, wie Natrium, aber auch Magnesium und Kalzium, die alle von der Oxalsäure dem Eisen vorgezogen werden.

  2. Die Verarbeitung der Nahrungsmittel, vor allem wie viel Wasser man beim Kochen benützt, beeinflusst ihren Inhalt. Es ist bekannt, dass man dabei aus dem Spinat ca. 30% der Oxalsäure verliert.

  3. Eigentlich ist nicht die Bilanz eines einzelnen Nahrungsmittels, sondern der ganzen Mahlzeit wichtig. Man muss sie nicht jeweils kompliziert berechnen, es gibt einfache Regeln an die man sich halten sollte: 

  • Einfache Mahlzeiten, die Nahrungsmittel aus allen Hauptgruppen (Kohlenhydrate, Eiweiss, Fette mit vielen ungesättigten Fettsäuren) enthalten.

  • Mit den Nahrungsmitteln abwechseln, nicht immer dieselben essen. Auch Popeye isst nicht nur Spinat. Sonst wäre er nicht so ein Kraftprotz.

  • Wegen dem Kaliuminhalt keine Mahlzeit ohne Gemüse und/oder Obst.

  • Vor allem Schwangere und Kinder sollen auf Fleisch nicht ganz verzichten. Wenn sie es tun, muss man ihre Werte kontrollieren.

Die oben erwähnten Argumente gelten auch für die Interaktion der Oxalsäure mit  anderen Elementen wie Kalzium, Magnesium, Zink, usw."

Die entscheidende Rolle spielt, wie oben erwähnt genug Kalium (Obst, Gemüse) in der Nahrung. Dann wird das gut lösliche Kaliumoxalat und nicht das schlecht lösliche Kalziumoxalat gebildet und problemlos ausgeschieden.

Falls Sie uns wieder besuchen möchten
(was uns unheimlich freuen würde)

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