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Ernährung und
Nierenkrankheiten
Über Ernährung
und Entstehung der Nierensteine informieren wir Sie an einer
anderen Seite. Die Ernährung
beeinflusst jedoch auch die Entstehung und den Verlauf anderer
Nierenkrankheiten und deren Folge, der Nierenschwäche
(Niereninsuffizienz). Der Einfluss der Nahrung auf die
Hormonregulation und das Abwehrsystem (Immunsystem) spielen
dabei die wichtigsten Rollen.


In
der Hormonregulation geschieht es über das
Vasopressin-Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (VRAAS), das
auch für die Regulation von Blutdruck und Herzfunktion
entscheidend ist. Über VRAAS wirken auch neuere Medikamente
gegen hohen Blutdruck und Herzschwäche (ACE-Hemmer und
Sartane).
Eine
vereinfachte Darstellung des
Vasopressin-Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems:

Das
beschriebene Hormonsystem (VRAAS) schützt uns von den schädlichen
Folgen der kurzfristigen Änderungen
von
1.
Flüssigkeit und Blut (Durst,
Blutverlust)
2.
Osmolalität
3.
Kalium
4.
Natrium und
5.
Säure.
(Die
Zahlen übereinstimmen nicht mit Bild. Der Grund dafür wird
aus dem Text klar.)
Dauern diese
Änderungen länger (mehrere
Tage, Wochen), wirkt sich der Anstieg der Hormone schädlich
aus: Die Nieren funktionieren nicht richtig, früher oder später
steigt der Blutdruck. In der Millionen Jahre langen Entwicklung
der Menschheit hatte es Sinn: Konnten die schädlichen
Einflüsse nicht schnell behoben werden, war es besser, wenn
der Mensch bald starb, als dass er sich geplagt hätte und der
Allgemeinheit zur Last fiel. Eine solche „natürliche
Sterbehilfe“, oder "Sterbehilfe der Natur" finden
wir auch bei der Herzschwäche und
beim Übergewicht. Die Hormone des VRAAS und ihre Funktion
wurden erst in den letzten 80 Jahren erkannt und wirksame
Medikamente gegen ihre langfristig schädliche Wirkung
entwickelt. Als man sie noch nicht hatte, halfen die Ärzte
mit anderen Masnahmen (z.B. Kochsalbeschränkung,
Aderlass, Blutegel, Schröpfen), auch wenn sie nicht wussten,
warum sie wirken.
Wir
versuchen kurz den Sinn dieser Hormonregulation zu erklären:
1.
Bei Blutverlusten und Flüssigkeitsmangel sind die Gefässe
und der Raum zwischen den Zellen (extrazellulärer Raum) ungenügend
gefüllt. Der Blutdruck sinkt und es droht, dass deswegen die
Organe ungenügend durchgeblutet und funktionieren würden.
Die Hormone erhöhen den Blutdruck und verbessern die
Durchblutung und Funktion.
2.
Flüssigkeits- und Wassermangel verdickt das Blut und die Körperflüssigkeiten,
ihre Osmolalität steigt. Osmolalität ist, vereinfacht
gesagt, die Konzentration der geladenen, „polaren“ Stoffe
wie der Salze (Natrium, Kalium, Chlorid), aber auch Glukose,
Harnstoffes, Alkohols und Proteine. Das Blut kann wieder nicht
gut fliessen und der Stoffwechsel funktioniert nur wenn die
Osmolalität stimmt. Der optimale Bereich ist ziemlich eng (
). Deswegen können wir ohne Flüssigkeitszufuhr nicht lange
überleben. Die Hormone des VRAAS, vor allem das Vasopressin
vermindert die Wasserausscheidung in den Nieren, die Urinmenge
sinkt, der Urin wird konzentrierter.
3.
Kalium ist lebensnotwendig. U.a.
kann die Niere ohne Kalium den Urin nicht ausscheiden. (s.
auch P.4.) Bekommt sie nicht genug davon, veranlasst sie den
Anstieg der Hormonen des VRAAS, welche die Kaliumausscheidung
erhöhen.
4.
Sowohl zu wenig wie zu viel Natrium
stimulieren VRAAS. Bei zu wenig soll wieder mehr Kalium
ausgeschieden werden (P. 3), um sich mit Natrium auszutaschen.
Dadurch wird mehr Natrium aus der Nierenflüssigkeit, sog.
primären Urin zurück aufgenommen (rückresorbiert). Bei zu
viel Natrium ist die Osmolalität erhöht, ein Reiz für VRAAS
(P.2). Der vermehrte Kaliumverlust senkt sie zusätzlich.
5.
Bei Übersäuerung braucht der Körper so viel Säure wie möglich
auszuscheiden. Die Säure muss dabei mit der Base Kalium, bei
deren Mangel auch Kalzium, begleitet werden. VRAAS fördert
wiederum die Ausscheidung von Kalium und Kalzium im Urin
(P.4).
Diese
verschiedenen Einflüsse können sich gegenseitig verstärken,
potenzieren.
Während
die Nahrung unserer Vorfahren kaliumreich
und natriumarm war, ist unsere
umgekehrt kaliumarm und natriumreich. Dazu ernähren wir uns
mit säurereichen tierischen Eiweissen (Milchprodukten
und Fleisch) und eiweissreichen Getreiden.
Phosphatreich
sind zellhaltige Nahrungsmittel wie Innerein, Haut und Fleisch
und die Schale der Früchte. Dazu Milch und Milchprodukte.
Die Ernährungsberatung bei Nierenkrankheiten widmet sich
meistens nur dem Phosphat. Sulfat ist
eine noch stärkere Säure. Tierische
Eiweisse, besonders Milch und Milchprodukte enthalten
reichlich schwefelhaltige Aminosäuren
Methionin und Cystin, die für den Aufbau der Organe notwendig
sind. Wachsende brauchen mehr als Erwachsene. Aus dem Schwefel
in Methionin und Cystin entsteht als Abbauprodukt Schwefelsäure
(Sulfat): In sulfatreichen Mineralwässern
nehmen wir dieses Abbauprodukt oder Abfall des Stoffwechsels
zu uns. Das Sulfat in Mineralwasser erfüllt keine Aufgaben,
es belastet nur den Säure-Basen-Haushalt
und die Niere.
Wir
trinken im Allgemeinen zu wenig
Wasser. Damit aktivieren wir auf alle 5 oben beschriebenen
Weisen das VRAAS. Wenn wir (in Studien) nur einen Einfluss ändern,
z.B. zusätzlich Kalium oder weniger Natrium einnehmen, können
wir u.U. noch keinen Blutdruckabfall nachweisen, weil die
restlichen (wenig Flüssigkeit, Übersäuerung) weiterhin
wirken. Erst wenn wir möglichst alle Gründe ändern und zur
Ernährung zurückkehren, für die wir gebaut sind, kann sich
Erfolg einstellen. Besonders wichtig ist es bei
Nierenkrankheiten und ihrer Vorbeugung, da die geschädigte
Niere noch empfindlicher unter diesen Einflüssen leidet. Sie
kann sowohl Kalium wie Säure
nur mit Mühe und beschränkt ausscheiden.
Massnahmen,
welche
die Entstehung und Entwicklung der Nierenkrankheiten
verhindern, verzögern und verbessern und sowohl als
Vorbeugung (Prophylaxe) und Therapie wirken:
1.
Genug Flüssigkeit trinken, am besten in Form von Wasser und
geeignetem Mineralwasser. Wie viel Flüssigkeit
man braucht, erfahren Sie hier.
Trinken Sie (gegen gängige Empfehlungen) keine kalziumreichen
Mineralwässer. Warum und wie Sie ein geeignetes Mineralwasser
wählen, finden Sie hier.
2.
Essen Sie möglichst salzarm.
Kochsalzreich sind nicht nur Speisen, die salzig schmecken.
Wussten Sie, dass wir am meisten Salz mit Brot einnehmen?! (Es
gibt aber auch salzärmere Sorten.) Wurstwaren und Hartkäse
sind auch eine reichliche Quelle von Kochsalz. Fleisch
schmeckt ohne genug Salz fade, wobei sich unser Geschmack
schnell ändern kann. Die AMA (American Medical Association)
empfiehlt nicht mehr als 65 mM Kochsalz, d.h. 4 g pro Tag für
ältere und/oder nierenkranke Menschen. Gesunde sollen höchsten
6 g zu sich nehmen.
Die AMA (American Medical Association = Die Amerikanische Ärztegesselschaft)
betrachte den vermehrten Salzkonsum als einen der wichtigsten
gesundheitsschädigenden Einflüssen und oft eine Art von
Sucht. Sie rief zum ähnlichen Kampf gegen Salzkonsum wie
gegen erhöhten Cholesterol, Blutdruck und Gewicht.
3.
Essen Sie möglichst kaliumreich,
d.h. viel Salat, Gemüse und Früchte. Eine einfache Regel ist
fünfmal pro Tag in fünf verschiedenen Farben, d.h. fünf
verschiedene Sorten. Damit sind auch die Ansprüche der Rotation
erfüllt. Kaliumreiche Ernährung ist jedoch nicht geeignet
bei einer fortgeschrittenen Nierenschwäche
(Niereninsuffizienz), wenn auch die Fähigkeit der Nieren
Kalium auszuscheiden, beschränkt ist. In solchen Fällen ist
eine individuelle Beratung
angebracht.
4.
Essen Sie möglichst nicht säurebildend.
Die Niere muss die Säure ausscheiden, was sie belastet und
mit der Zeit schädigt. Üblicherweise wird bei Nierenschwäche
empfohlen, Nahrungsmittel mit viel Phosphat
zu meiden. Sulfat ist aber eine
noch stärkere Säure, welche die Niere noch mehr belastet.
Sulfathaltige Nahrungsmittel sind Milch, Milchprodukte und
Fleisch, weiter alle proteinreichen Speisen. Vorsicht auch bei
der Wahl der Mineralwässer. Die
allgemein leider noch immer empfohlenen kalziumreichen sind
auch sulfatreich!
5. Die
Mahlzeiten sollen nicht üppig sein.
Essen Sie wenig aber oft. Jede Mahlzeit erhöht durch
Resorption (Aufnahme) der Stoffe aus dem Darm und ihre
Verarbeitung, ihren Stoffwechsel, die Osmolalität des Blutes
und der Flüssigkeit zwischen den Zellen (intrazelluläre Flüssigkeit),
s. P 1. Je mehr wir essen, desto mehr steigt die Osmolalität.
6.
Vor allem bei Patienten mit immunologischen Entzündungen der
Niere (Glomerulonephritiden, Interstizielle Nephritis*,
IgA-Nephropathie, usw.) ist wichtig, das Immunsystem zu
entlasten. Das tut die Rotationsernährung
im Allgemeinen, dazu soll man Nahrungsmittel, die Unverträglichkeiten
und Allergien hervorrufen, meiden.
7.
Sowohl Nikotin wie Koffein und
verwandte Stoffe wirken sich vor allem bei bereits geschädigten
Nieren und/oder der Einnahme von Medikamenten negativ aus.
Besonders
wichtig ist, wenn sich nach diesen
Regeln Menschen ernähren, die gewisse Medikamente
einnehmen (Schmerzmittel, Blutdruckmittel, Röntgenkontrastmittel).
Sie haben dann weniger Nebenwirkungen, brauchen kleinere Dosen
(oder überhaupt keine) und beugen den nicht seltenen
langzeitigen Nierenschaden* vor. Ältere Leute sind diesbezüglich
noch empfindlicher.
Wichtig:
Es trifft zu, auch wenn wir Schmerzmittel
nur kurzfristig (1 Tag!) einnehmen!
Konkret:
1.
Genug Flüssigkeit
2.
Keine Süssgetränke (Cola!), keine kochsalz- und
sulfathaltige Mineralwasser
3.
Kleine, häufige Mahlzeiten, kein üppiges
Essen
4.
Wenig (3-5g/Tag) Kochsalz (Vorsicht
Käse, Fleisch, Brot, Dosengemüse)
5.
Viel Kalium (Salat, Gemüse, Obst,
Kartoffeln, Vollkornprodukte)
6.
Genug Eiweiss (0,8 – 1,0 g/kg
KG), aber nicht viel Käse, Eier und Fleisch
7.
Wenig Süssigkeiten
8.
Kein Alkohol, wenn, mit viel Flüssigkeit
9.
(Wenig) Kaffee, Schwarztee und
Schokolade, wenn, mit viel Flüssigkeit
Eigenschaften
einer für die Nieren ungünstigen Mahlzeit:
1.
Vorher schon durstig
2.
alkoholischer Aperitif ohne Mineralwasser oder industriell
hergestellter fertiger Obstsaft (wegen Zusatzstoffen)
3.
salzhaltige Erdnüsse, Gebäck, Häppchen
4.
Bouillon mit Ei
5.
Fleisch, Sauce, Gratin
6.
Schwerer Rotwein (Rotschildt Mouton)
7.
Kochsalz- und sulfathaltiges Mineralwasser
8.
Dessert: Mousse au Chocolat,
Vanillcrème, Altkäse
9.
Kaffee, Cognac(li)
10.
Farb-, Konservierungs-, Zusatzstoffe
11.
dazu Zigarette oder Zigarre
Eigenschaften einer für
die Nieren günstigen Mahlzeit:
-
Vorher nicht durstig,
gut „bewässert“
-
(Alkoholfreier)
Aperitif + genug kochsalz- und sulfatarmes Mineralwasser
(ohne Kohlensäure)
-
Salat mit kaltgepresstem Öl
ohne Salz, nur mit frischen Gewürzen
-
Fisch oder wenig Fleisch
ohne Sauce mit (viel) Gemüse möglichst im Dampf gegart
und Vollkornbeilage oder Kartoffel (keine Pommes frites!)
-
Leichter (Ostschweizer)
Wein, noch besser kein Alkohol
-
Viel kochsalz- und
sulfatarmes Mineralwasser (ohne
Kohlensäure)
-
Dessert: Früchte
-
Frische Bioprodukte ohne
Farb-, Konservierungs-, Zusatzstoffe
-
Nichtraucher
Halten
wir uns an diese Regel, bleiben nicht nur unsere Nieren, aber
auch Gefässe und Herz gesund
und leistungsfähig!
* Die Einnahme von gewissen Medikamenten, vor
allem von Schmerzmittel (Salicylate, NSAR (Nichsteroide
Analgetika und Antirheumatika) kann, vor allem wenn die oben
erwähnten Vorsichtsmassnahmen nicht eingehalten werden, zu
einer Nierenschädigung (interstizielle Nephritis) führen.
Dann ist meiden von gewissen Nahrungsmitteln, die natürliche
Salicylate enthalten, wichtig. Die folgende Tabelle zeigt, um
welche Nahrungsmittel es sich handelt*:
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