Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
Anmeldung T: 071 250 15 18 Fax: 071 250 15 19 E-mail: Peter.J.Marko@hin.ch


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Letzte redaktionelle Änderung 27.04.07

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Ernährung und Nierenkrankheiten

 

Über Ernährung und Entstehung der Nierensteine informieren wir Sie an einer anderen Seite. Die Ernährung beeinflusst jedoch auch die Entstehung und den Verlauf anderer Nierenkrankheiten und deren Folge, der Nierenschwäche (Niereninsuffizienz). Der Einfluss der Nahrung auf die Hormonregulation und das Abwehrsystem (Immunsystem) spielen dabei die wichtigsten Rollen.  

 

In der Hormonregulation geschieht es über das Vasopressin-Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (VRAAS), das auch für die Regulation von Blutdruck und Herzfunktion entscheidend ist. Über VRAAS wirken auch neuere Medikamente gegen hohen Blutdruck und Herzschwäche (ACE-Hemmer und Sartane). 

Eine vereinfachte Darstellung des Vasopressin-Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems:

Das beschriebene Hormonsystem (VRAAS) schützt uns von den schädlichen Folgen der kurzfristigen Änderungen von

1.      Flüssigkeit und Blut (Durst, Blutverlust)

2.      Osmolalität

3.      Kalium

4.      Natrium und

5.      Säure.  

(Die Zahlen übereinstimmen nicht mit Bild. Der Grund dafür wird aus dem Text klar.)

Dauern diese Änderungen länger (mehrere Tage, Wochen), wirkt sich der Anstieg der Hormone schädlich aus: Die Nieren funktionieren nicht richtig, früher oder später steigt der Blutdruck. In der Millionen Jahre langen Entwicklung der Menschheit hatte es Sinn:  Konnten die schädlichen Einflüsse nicht schnell behoben werden, war es besser, wenn der Mensch bald starb, als dass er sich geplagt hätte und der Allgemeinheit zur Last fiel. Eine solche „natürliche Sterbehilfe“, oder "Sterbehilfe der Natur" finden wir auch bei der Herzschwäche und beim Übergewicht. Die Hormone des VRAAS und ihre Funktion wurden erst in den letzten 80 Jahren erkannt und wirksame Medikamente gegen ihre langfristig schädliche Wirkung entwickelt. Als man sie noch nicht hatte, halfen die Ärzte mit anderen Masnahmen (z.B. Kochsalbeschränkung, Aderlass, Blutegel, Schröpfen), auch wenn sie nicht wussten, warum sie wirken. 

Wir versuchen kurz den Sinn dieser Hormonregulation zu erklären:

1.  Bei Blutverlusten und Flüssigkeitsmangel sind die Gefässe und der Raum zwischen den Zellen (extrazellulärer Raum) ungenügend gefüllt. Der Blutdruck sinkt und es droht, dass deswegen die Organe ungenügend durchgeblutet und funktionieren würden. Die Hormone erhöhen den Blutdruck und verbessern die Durchblutung und Funktion.

2.  Flüssigkeits- und Wassermangel verdickt das Blut und die Körperflüssigkeiten, ihre Osmolalität steigt. Osmolalität ist, vereinfacht gesagt, die Konzentration der geladenen, „polaren“ Stoffe wie der Salze (Natrium, Kalium, Chlorid), aber auch Glukose, Harnstoffes, Alkohols und Proteine. Das Blut kann wieder nicht gut fliessen und der Stoffwechsel funktioniert nur wenn die Osmolalität stimmt. Der optimale Bereich ist ziemlich eng (      ). Deswegen können wir ohne Flüssigkeitszufuhr nicht lange überleben. Die Hormone des VRAAS, vor allem das Vasopressin vermindert die Wasserausscheidung in den Nieren, die Urinmenge sinkt, der Urin wird konzentrierter.

3.  Kalium ist lebensnotwendig. U.a. kann die Niere ohne Kalium den Urin nicht ausscheiden. (s. auch P.4.) Bekommt sie nicht genug davon, veranlasst sie den Anstieg der Hormonen des VRAAS, welche die Kaliumausscheidung erhöhen.

4.  Sowohl zu wenig wie zu viel Natrium stimulieren VRAAS. Bei zu wenig soll wieder mehr Kalium ausgeschieden werden (P. 3), um sich mit Natrium auszutaschen. Dadurch wird mehr Natrium aus der Nierenflüssigkeit, sog. primären Urin zurück aufgenommen (rückresorbiert). Bei zu viel Natrium ist die Osmolalität erhöht, ein Reiz für VRAAS (P.2). Der vermehrte Kaliumverlust senkt sie zusätzlich. 

5.  Bei Übersäuerung braucht der Körper so viel Säure wie möglich auszuscheiden. Die Säure muss dabei mit der Base Kalium, bei deren Mangel auch Kalzium, begleitet werden. VRAAS fördert wiederum die Ausscheidung von Kalium und Kalzium im Urin (P.4). 

Diese verschiedenen Einflüsse können sich gegenseitig verstärken, potenzieren. 

Während die Nahrung unserer Vorfahren kaliumreich und natriumarm war, ist unsere umgekehrt kaliumarm und natriumreich. Dazu ernähren wir uns mit säurereichen tierischen Eiweissen (Milchprodukten und Fleisch) und eiweissreichen Getreiden. 

Phosphatreich sind zellhaltige Nahrungsmittel wie Innerein, Haut und Fleisch und die Schale der Früchte. Dazu Milch und Milchprodukte. Die Ernährungsberatung bei Nierenkrankheiten widmet sich meistens nur dem Phosphat. Sulfat ist eine noch stärkere Säure. Tierische Eiweisse, besonders Milch und Milchprodukte enthalten reichlich schwefelhaltige Aminosäuren Methionin und Cystin, die für den Aufbau der Organe notwendig sind. Wachsende brauchen mehr als Erwachsene. Aus dem Schwefel in Methionin und Cystin entsteht als Abbauprodukt Schwefelsäure (Sulfat): In sulfatreichen Mineralwässern nehmen wir dieses Abbauprodukt oder Abfall des Stoffwechsels zu uns. Das Sulfat in Mineralwasser erfüllt keine Aufgaben, es belastet nur den Säure-Basen-Haushalt und die Niere. 

Wir trinken im Allgemeinen zu wenig Wasser. Damit aktivieren wir auf alle 5 oben beschriebenen Weisen das VRAAS. Wenn wir (in Studien) nur einen Einfluss ändern, z.B. zusätzlich Kalium oder weniger Natrium einnehmen, können wir u.U. noch keinen Blutdruckabfall nachweisen, weil die restlichen (wenig Flüssigkeit, Übersäuerung) weiterhin wirken. Erst wenn wir möglichst alle Gründe ändern und zur Ernährung zurückkehren, für die wir gebaut sind, kann sich Erfolg einstellen. Besonders wichtig ist es bei Nierenkrankheiten und ihrer Vorbeugung, da die geschädigte Niere noch empfindlicher unter diesen Einflüssen leidet. Sie kann sowohl Kalium wie Säure nur mit Mühe und beschränkt ausscheiden. 

Massnahmen, 

welche die Entstehung und Entwicklung der Nierenkrankheiten verhindern, verzögern und verbessern und sowohl als Vorbeugung (Prophylaxe) und Therapie wirken: 

1.  Genug Flüssigkeit trinken, am besten in Form von Wasser und geeignetem Mineralwasser. Wie viel Flüssigkeit man braucht, erfahren Sie hier. Trinken Sie (gegen gängige Empfehlungen) keine kalziumreichen Mineralwässer. Warum und wie Sie ein geeignetes Mineralwasser wählen, finden Sie hier.

2.  Essen Sie möglichst salzarm. Kochsalzreich sind nicht nur Speisen, die salzig schmecken. Wussten Sie, dass wir am meisten Salz mit Brot einnehmen?! (Es gibt aber auch salzärmere Sorten.) Wurstwaren und Hartkäse sind auch eine reichliche Quelle von Kochsalz. Fleisch schmeckt ohne genug Salz fade, wobei sich unser Geschmack schnell ändern kann. Die AMA (American Medical Association) empfiehlt nicht mehr als 65 mM Kochsalz, d.h. 4 g pro Tag für ältere und/oder nierenkranke Menschen. Gesunde sollen höchsten 6 g zu sich nehmen.

     Die AMA (American Medical Association = Die Amerikanische Ärztegesselschaft) betrachte den vermehrten Salzkonsum als einen der wichtigsten gesundheitsschädigenden Einflüssen und oft eine Art von Sucht. Sie rief zum ähnlichen Kampf gegen Salzkonsum wie gegen erhöhten Cholesterol, Blutdruck und Gewicht.

3.  Essen Sie möglichst kaliumreich, d.h. viel Salat, Gemüse und Früchte. Eine einfache Regel ist fünfmal pro Tag in fünf verschiedenen Farben, d.h. fünf verschiedene Sorten. Damit sind auch die Ansprüche der Rotation erfüllt. Kaliumreiche Ernährung ist jedoch nicht geeignet bei einer fortgeschrittenen Nierenschwäche (Niereninsuffizienz), wenn auch die Fähigkeit der Nieren Kalium auszuscheiden, beschränkt ist. In solchen Fällen ist eine individuelle Beratung angebracht.

4.  Essen Sie möglichst nicht säurebildend. Die Niere muss die Säure ausscheiden, was sie belastet und mit der Zeit schädigt. Üblicherweise wird bei Nierenschwäche empfohlen, Nahrungsmittel mit viel Phosphat zu meiden. Sulfat ist aber eine noch stärkere Säure, welche die Niere noch mehr belastet. Sulfathaltige Nahrungsmittel sind Milch, Milchprodukte und Fleisch, weiter alle proteinreichen Speisen. Vorsicht auch bei der Wahl der Mineralwässer. Die allgemein leider noch immer empfohlenen kalziumreichen sind auch sulfatreich!

5.  Die Mahlzeiten sollen nicht üppig sein. Essen Sie wenig aber oft. Jede Mahlzeit erhöht durch Resorption (Aufnahme) der Stoffe aus dem Darm und ihre Verarbeitung, ihren Stoffwechsel, die Osmolalität des Blutes und der Flüssigkeit zwischen den Zellen (intrazelluläre Flüssigkeit), s. P 1. Je mehr wir essen, desto mehr steigt die Osmolalität.

6.  Vor allem bei Patienten mit immunologischen Entzündungen der Niere (Glomerulonephritiden, Interstizielle Nephritis*, IgA-Nephropathie, usw.) ist wichtig, das Immunsystem zu entlasten. Das tut die Rotationsernährung im Allgemeinen, dazu soll man Nahrungsmittel, die Unverträglichkeiten und Allergien hervorrufen, meiden.

7.  Sowohl Nikotin wie Koffein und verwandte Stoffe wirken sich vor allem bei bereits geschädigten Nieren und/oder der Einnahme von Medikamenten negativ aus.

Besonders wichtig ist, wenn sich nach diesen Regeln Menschen ernähren, die gewisse Medikamente einnehmen (Schmerzmittel, Blutdruckmittel, Röntgenkontrastmittel). Sie haben dann weniger Nebenwirkungen, brauchen kleinere Dosen (oder überhaupt keine) und beugen den nicht seltenen langzeitigen Nierenschaden* vor. Ältere Leute sind diesbezüglich noch empfindlicher.

Wichtig: Es trifft zu, auch wenn wir Schmerzmittel nur kurzfristig (1 Tag!) einnehmen!

Konkret:

1.      Genug Flüssigkeit

2.      Keine Süssgetränke (Cola!), keine kochsalz- und sulfathaltige Mineralwasser

3.      Kleine, häufige Mahlzeiten, kein üppiges Essen

4.      Wenig (3-5g/Tag) Kochsalz (Vorsicht Käse, Fleisch, Brot, Dosengemüse)

5.      Viel Kalium (Salat, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Vollkornprodukte)

6.      Genug Eiweiss (0,8 – 1,0 g/kg KG), aber nicht viel Käse, Eier und Fleisch

7.      Wenig Süssigkeiten

8.      Kein Alkohol, wenn, mit viel Flüssigkeit

9.      (Wenig) Kaffee, Schwarztee und Schokolade, wenn, mit viel Flüssigkeit

Eigenschaften einer für die Nieren ungünstigen Mahlzeit: 

1.   Vorher schon durstig

2.    alkoholischer Aperitif ohne Mineralwasser oder industriell hergestellter fertiger Obstsaft (wegen Zusatzstoffen)

3.    salzhaltige Erdnüsse, Gebäck, Häppchen

4.    Bouillon mit Ei

5.    Fleisch, Sauce, Gratin

6.     Schwerer Rotwein (Rotschildt Mouton)

7.     Kochsalz- und sulfathaltiges Mineralwasser

8.     Dessert: Mousse au Chocolat, Vanillcrème, Altkäse

9.     Kaffee, Cognac(li)

10.   Farb-, Konservierungs-, Zusatzstoffe

11.   dazu Zigarette oder Zigarre 

Eigenschaften einer für die Nieren günstigen Mahlzeit: 

  1. Vorher nicht durstig, gut „bewässert“

  2. (Alkoholfreier) Aperitif  + genug kochsalz- und sulfatarmes Mineralwasser (ohne Kohlensäure)

  3. Salat mit kaltgepresstem Öl ohne Salz, nur mit frischen Gewürzen

  4. Fisch oder wenig Fleisch ohne Sauce mit (viel) Gemüse möglichst im Dampf gegart und Vollkornbeilage oder Kartoffel (keine Pommes frites!)

  5. Leichter (Ostschweizer) Wein, noch besser kein Alkohol

  6. Viel kochsalz- und sulfatarmes Mineralwasser (ohne Kohlensäure)

  7. Dessert: Früchte

  8. Frische Bioprodukte ohne Farb-, Konservierungs-, Zusatzstoffe

  9. Nichtraucher

Halten wir uns an diese Regel, bleiben nicht nur unsere Nieren, aber auch Gefässe  und Herz gesund und leistungsfähig!

* Die Einnahme von gewissen Medikamenten, vor allem von Schmerzmittel (Salicylate, NSAR (Nichsteroide Analgetika und Antirheumatika) kann, vor allem wenn die oben erwähnten Vorsichtsmassnahmen nicht eingehalten werden, zu einer Nierenschädigung (interstizielle Nephritis) führen. Dann ist meiden von gewissen Nahrungsmitteln, die natürliche Salicylate enthalten, wichtig. Die folgende Tabelle zeigt, um welche Nahrungsmittel es sich handelt*:

 

Obst, Nüsse und Getränke

Gemüse

 

Gewürze
Getreide

Die meisten Obstarten ausser Bananen, geschälten Birnen, Granatapfel, Mangos und Papayas; 

Nüsse; Kaffee, Schwarztee, Coca-Cola, Fruchtsäfte, alkoholische Getränke (ausser Gin und Wodka)

Gartenkürbis, die meisten Gemüsesorten

ausser Kohl, Bohnenkohl,  Bohnesprossen, Sellerie, Lauch,  Lattich/Kopfsalat,  Erbsen;

Essiggurken, Oliven und Endiviensalat sind besonders reich an Salizylaten, auch die Kartoffelschale

Kräuter, Gewürze, Stangensellerie; Pfeffermünztee, Worcestersauce; Hefeextrakte, Brühwürfel, Ketchup, Instant-Produkte

* Brostoff J, Gamlin L: Food allergies and food intolerances. Healing Art Press, Rochester, 2000, 367-8. ISBN 0-89281-875-1

 

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