Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
Anmeldung T: 071 250 15 18 Fax: 071 250 15 19 E-mail: Peter.J.Marko@hin.ch


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Haarschneiden

S t r e i f l i c h t H O R I Z O N T E

Wenn wir uns gesund wähnen, was eigentlich unbedacht und im Grunde genommen leichtsinnig ist, weil wir nie wissen können, was in uns schlummert und wann es ausbricht, ist eine gute Coiffeuse wichtiger als eine Ärztin. Die Frisur muss (zu einem) passen wie ein Kleid. Es gibt Menschen, die behaupten, dass man aus ihr mehr erfahren, ablesen kann als aus den Sternen. Aus nicht ganz klaren Gründen wechseln wir, meine Frau und ich, immer wieder unsere Wohnorte. Anscheinend ist das Leben für uns zu kurz, um es nur an einem Ort zu verbringen. Nach dem jeweiligen Umzug muss ich mühsam suchen, wer mir die Haare wieder zu meiner Zufriedenheit schneiden kann.

Als einen geraden, vielleicht etwas sturen Menschen schrecken mich von vornherein Geschäfte ab, die sich als Hairstylist/in, Hairdressing, Hairsolution, Haircenter ausgeben, wie ich auch verschiedenen Gesundheitszentren misstraue und lieber in eine einfache, schlichte, altmodische Arztpraxis gehe. Es stösst mich ab, wenn mir, anstatt schnell unter die Schere zu kommen, ein Kaffee angeboten wird. Dafür gehe ich in ein Café oder ein Restaurant, wenn ich mir schon einen nach meinem Geschmack nicht selbst braue. So habe ich auch verschiedene Beilagen in den Zeitungen nicht gern. Wenn ich eine Zeitung kaufe, will ich nicht eine Zeitschrift lesen und umgekehrt. Alles muss seinen Sinn und Zweck, seine Ordnung haben.

Am letzten Wohnsitz war ich mit meinem Coiffeur äusserst zufrieden. So, dass ich nach dem Umzug noch weiter über 20 km zu ihm fuhr. Nicht nur verpasste er meinem Kopf für nicht viel Geld die gewünschte Form, sondern er arbeitete ausschliesslich am Abend, weil er mit diesem Nebenverdienst Alimente bezahlen und seinen Kindern eine angemessene Ausbildung ermöglichen wollte. Das passte vielen Kunden, die nach der Arbeitszeit und einem guten Nachtessen hier einkehren konnten. Wenn wir uns nicht über Sport- und andere Dorfneuigkeiten oder sein Befinden unterhielten (damit ersparte er sich jeweils eine Konsultation), konnte ich seine reiche Sammlung von «Pornoheftchen» durchblättern. Sie lagen selbstverständlich und natürlich auf dem Tisch wie die «Schweizer Illustrierte » in unserem Wartezimmer. Wenn man seine Arbeit verfolgen wollte, blickte man in den von Nackedeien umrahmten Spiegel, die ihm gute Freunde und Kunden von ihren Reisen statt den üblichen Ortsansichten schickten. Unnötig zu sagen, dass er ein auf Männerschnitt spezialisierter Coiffeur und fast immer ausgebucht war.Trotzdem musste man bei ihm nie lange warten. Es lief bei ihm alles recht, wie an einer Schnur.

Ob wegen meines «grünen» Gewissens, der durch die Fahrt verlorenen Zeit oder der Ansicht, dass ich mich erst richtig am neuen Ort einlebe, wenn ich dort auch einen Coiffeur finde, wechselte ich zur nächsten Coiffeuse um die Ecke. Sie hatte immer einen freien Termin, dafür musste man manchmal fast eine Stunde warten. Wenn endlich ein Stuhl frei war, band mir zuerst eine Lehrtochter ein Tuch um den Hals, und ich wartete weiter, bis die Chefin bei anderen Kunden oder Kundinnen mit ihrer Aufgabe fertig war, man nicht betäubt und nahm das Geschehen scharf wahr. Einmal wagte ich schüchtern anzudeuten, dass bei mir die Lehrtochter ruhig die ganze Arbeit verrichten könne, was schlicht überhört wurde. Während der kurzen Abschnitte, die sie bei einem verbrachte, fragte und sprach die Chefin ununterbrochen. Als ich versuchte, in der mitgebrachten Zeitung zu lesen, spürte ich ihren Unwillen, was für ein unfreundlicher und unhöflicher Sonderling da sitzt. Beim Zahlen fragte eine der Lehrtöchter jeweils die Chefin (nicht mich), wieviel sie verrechnen solle, und obwohl die Länge meiner Haare von Fall zum Fall kaum um 2–3 mm änderte und die Frisur gleich blieb, wechselte die Grösse der Rechnung hin und her. Das schlimmste war, dass die Lehrtochter jedesmal auch meine Augenbrauen zurechtzuschneiden versuchte. Ich verstand nicht, warum sie mit ihnen, damit eigentlich mit meinem Aussehen unzufrieden war, betrachtete es als eine grobe Einmischung in meine Intimsphäre und Persönlichkeit und lehnte es strikte ab. Ich kam, um meine Haare zu schneiden und nicht um kosmetische Eingriffe über mich ergehen zu lassen.

So blieb mir nichts anderes übrig, als zu probieren, wie die nächste Coiffeuse ist, die ein Stück weiter ihren Salon hat. Sie arbeitet alleine, dann fummelte sie kurz an meinen Haaren herum, um die Arbeit wieder einer anderen Lehrtochter zu überlassen. So wartete ich wieder, bis sie kam. Solche Zyklen wiederholten sich. Es lief wie mit Privatpatienten in manchen Operationssälen, nur hier wurde man nicht betäubt und das Geschehen scharf wahr. Einmal wagte ich schüchtern anzudeuten, dass bei mir die Lehrtochter ruhig die ganze Arbeit verrichten könne, was schlicht überhört wurde. Während der kurzen Abschnitte, die sie bei einem verbrachte, fragte und sprach die Chefin ununterbrochen. Als ich versuchte, in der mitgebrachten Zeitung zu lesen, spürte ich ihren Unwillen, was für ein unfreundlicher und unhöflicher Sonderling da sitzt. Beim Zahlen fragte eine der Lehrtöchter jeweils die Chefin (nicht mich), wieviel sie verrechnen solle, und obwohl die Länge meiner Haare von Fall zum Fall kaum um 2–3 mm änderte und die Frisur gleich blieb, wechselte die Grösse der Rechnung hin und her. Das schlimmste war, dass die Lehrtochter jedesmal auch meine Augenbrauen zurechtzuschneiden versuchte. Ich verstand nicht, warum sie mit ihnen, damit eigentlich mit meinem Aussehen unzufrieden war, betrachtete es als eine grobe Einmischung in meine Intimsphäre und Persönlichkeit und lehnte es strikte ab. Ich kam, um meine Haare zu schneiden und nicht um kosmetische Eingriffe über mich ergehen zu lassen.

So blieb mir nichts anderes übrig, als zu probieren, wie die nächste Coiffeuse ist, die ein Stück weiter ihren Salon hat. Sie arbeitet alleine, man muss trotzdem oder ebendeswegen nie warten, der Preis ist stabil und sogar um ein Viertel . Sie wäscht aber zuerst meinen Kopf, damit sie die Haare gut schneiden kann. Ich muss also vorher mühsam planen, wann ich sie selbst wasche, damit sie unter dem zu häufigen Waschen nicht leiden und noch spröder werden, als sie schon sind. Ihr Schnitt ist, wie es früher im Militär oder in Strafanstalten üblich war, was den Vorteil hat, dass ich die Frequenz der Besuche bei ihr ungefähr um die Hälfte senken konnte. Es dauert aber jeweils zwei Wochen, bis ich wieder etwas zivilisierter aussehe. Anfangs versuchte sie am Ende der Behandlung meine Haare mit einer stark und mehrere Tage riechenden Salbe einzuschmieren, wovon ich sie, im Unterschied zum Haarewaschen, abbringen konnte.

So war ich froh, als ich erfuhr, dass zwei Dörfer tiefer unten im Tal, wo wir die Ferienwohnung haben, ein Coiffeurgeschäft existiert. Ich kann dort mit dem Bus hinfahren, aber noch lieber laufe ich eine Stunde hin und zurück. Der Wanderweg führt entlang der vor Jahrhunderten angelegten Terrassen im Wald mit zerfallenen Rustici, an einem grossen Gehege vorbei, in der manchmal Pferde grasen, durchquert rauschende Bäche und Lichtungen, auf denen im Sommer Schmetterlinge schwärmen. Kitschig, aber wahr, die Vögel singen dazu, und im Frühjahr ruft der Kuckuck. Die Wildschweine wühlen die Erde manchmal auf. Ende Mai muss man zwischen echten und falschen Erdbeeren unterscheiden, im Juni sind Himbeeren fällig, später Brombeeren. Auch die Düfte wechseln ständig. Den ganzen Sommer hindurch bange ich, ob sich die schmalen gelbgrünen Stengel der Kastanienblüten rechtzeitig in die runden dunkelbraunen Marroni umwandeln. Sie schaffen es jedes Jahr. Noch vor den Marroni sammle ich die Walnüsse. Im Winter polstern den Weg die noch nicht verwehten Blätter, und man hat freien Blick durch die Bäume auf den See.

Diese Coiffeuse schneidet die Haare unheimlich schnell. Ich kann kaum die neusten Sportresultate in der Zeitung durchschauen, schon ist sie fertig. Die Frisur ist trotzdem perfekt. Unmittelbar vor den Feiertagen sollte man aber nicht zu ihr gehen, da die älteren Frauen und Männer aus dem ganzen Tal bei ihr Schlange stehen und sitzen und heftig und laut Neuigkeiten und Ansichten austauschen. Leider können wir nicht immer den Aufenthalt dort der Länge meiner Haare anpassen, und so kehre ich ab und zu zur Coiffeuse am Wohnort zurück. Sie wundert sich heimlich, warum ich so lange pausiere und doch immer wiederkomme. Wie soll ich es ihr sagen?

Schweizerische Ärztezeitung | Bulletin des médecins suisses | Bollettino dei medici svizzeri | 2008;89: 12/13:542-43.

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