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Letzte redaktionelle Änderung 13.1.2010
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Gicht, Pseudogicht und Arthrose
Gicht ist eine Krankheit, bei welcher die
vermehrte Ansammlung von Harnsäure im Gewebe, vor allem in
Gelenken, Beschwerden und Schmerzen verursacht. Harnsäure ist eine
schwache organische Säure, die nur bei Menschen* Endprodukt des
Stoffwechsels der Purine ist. Purine sind Bestandteile von Nukleinsäuren,
die in Zellkernen die Vererbung und in der Zellflüssigkeit die
Synthese von Eiweissen und die Energievorgänge vermitteln.
 
Die Purine und damit die Harnsäure entstehen ca.
zu 2/3 im Körper und ca. 1/3 werden aus der Ernährung aufgenommen.
Die Harnsäure wird wieder ungefähr zur Hälfte von den Nieren und
dem Darm ausgeschieden. Die Harnsäure fällt leicht aus. In wässriger
Lösung tut sie es bei der Konzentration um 450 Mikromol pro Liter.
Das Ausfallen ist von der Temperatur, des Säure-Basen-Zustandes
(sog. pH), der Anwesenheit verschiedener Salze und anderer Stoffe in
der Lösung abhängig. Wie auch, die normale Grenze der Harnsäure
(420 Mikromol/Liter) ist eine der wenigen Grenzen, die nicht
statistisch, sondern physiko-chemisch bestimmt ist, da sich über
diese Grenze die Harnsäure-Krystalle bilden können, die dann
Beschwerden verursachen können**.
Die Gicht kann grundsätzlich entstehen, wenn
-
der Körper
vermehrt Purine synthetisiert oder
-
diese aus der Ernährung
aufnimmt oder
-
die Harnsäure weniger ausscheidet, wobei da
wahrscheinlich nur die Ausscheidung durch die Niere eine Rolle
spielt.
Die Purine werden nur bei seltenen angeborenen
Stoffwechselstörungen vermehrt synthetisiert, man sollte daran
denken, wenn ein Kind oder eine Frau im Gebäralter Gicht hat. Die
zwei letzten Gründe kommen zusammen vor und sind für die
Entstehung der gewöhnlichen Gicht verantwortlich. Unsere Niere
synthetisiert Ammoniak, um die im Urin vorhandenen Säuren zu
neutralisieren. Wie alles, ist auch diese Fähigkeit nicht bei allen
Menschen gleich. Die Nieren gewisser Menschen können es besser,
andere schlechter. Bei den letzten wird dann dafür mehr von einer
Base, Kalium, gebraucht. Zum Ausgleich wird vermehrt die schwache Säure,
die Harnsäure, nicht nur in den Nierenzellen, sondern als Folge vom
ganzen Körper zurückbehalten. Je mehr nicht
abbaubare anorganische Schwefel-, Phosphor- und Salpetersäuren der
Mensch in der Ernährung aufnimmt, desto mehr muss er sie in der
Niere ausscheiden. Damit wird dieses System der Säure-, Ammoniak-,
und Basenausscheidung mehr belastet und es wird mehr Harnsäure zurückbehalten.
Die Menge der Harnsäure im Körper steigt, und sie fällt erst in
Form von kleinen Krystallen, später grösseren Knoten, sog. Tophi,
aus. Aus verschiedenen Gründen geschieht dies vor allem in den
Gelenken und weniger häufig in den Nieren. Von den Gelenken sind
zuerst die schlechter durchbluteten, dauernd belasteten, peripheren
Kleingelenke betroffen, und die Gicht beginnt typisch im Grosszeh-
oder im Daumengrundgelenk. Aber auch andere, durch Arthrose oder
Trauma betroffene Gelenke können Schmerzen machen. So kann sich die
Gicht an Knie-, Hüft-, Wirbelsäule-, Schulter-, sogar
Sehneansatzschmerzen wie Fersensporn oder Tennisellenbogen
beteiligen.
Wenn wir purinreiche Lebensmittel essen, erhöhen
wir um ca. ein Drittel die Menge der Harnsäure im Körper, durch säurehaltige
Lebensmittel belasten wir das System der Säure-, Ammoniak-,
und Basenausscheidung noch mehr. Die vermehrte Einnahme von Purinen
ist meistens mit der verminderten von Basen,
vor allem von Kalium, verbunden, da wir nicht nur viel Fleisch und Käse,
aber gleichzeitig auch zu wenig Salat, Gemüse und Obst essen.
Wie bekannt, kommen Anfälle von Gicht gehäuft
nach gutem Essen und Trinken von Alkoholgetränken vor. Mit
"gutem" Essen nehmen wir viele Purine zu uns und der
Alkohol macht uns "saurer" (vor
allem Bier enthält auch sehr viele Purine) - beides erhöht die
Ablagerung der Harnsäure und letztere erniedrigt noch die
Schmerzschwelle. Hohe Eisenspiegel als Folge von Fleisch- und
Innereienkonsum können auch bei den Anfällen und bei der Zerstörung
der Gelenke durch Gicht eine Rolle spielen. Sie begünstigen die
Entstehung der sog. freien Radikale, die zu oxidativem Stress und
vermehrten Schmerzen und Abnützung führen.
Harnsäure schützt gegen oxidativen Stress.
Verminderte Werte findet man bei manchen neurologischen Krankheiten
wie Parkinsonkrankheit, Multiple Sklerose
und Alzheimerkrankheit. Es gibt
Anhaltspunkte, dass die künstliche Erhöhung der Harnsäure den
Verlauf dieser Krankheiten bessert. Man soll also bei der Therapie
der Gicht den Spiegel der Harnsäure im Blut nicht zu viel
senken.
Es gibt auch Gicht ohne Anfälle, mit
Dauerschmerz. Sie befällt eher die grossen Gelenke (Hüfte, Knie)
und die Wirbelsäulengelenke. Und es gibt auch Gicht ohne
(dauernder) Erhöhung der Harnsäure. Man nimmt an, dass durch die
Ablagerung im Gewebe die Harnsäure erniedrig wurde oder die noch
unbekannten Faktoren (Übersäuerung?) die Harnsäure in die
befallenen Gelenke ziehen. Diese Faktoren spielen eine grosse Rolle,
da die Harnsäure häufig wesentlich erhöht sein kann (sog.
Hyperurikämie) und zu Schmerzen und zu Gicht kommt es erst später
oder nie.**
Was können wir Leuten mit Gicht betr. Ernährung
empfehlen?
-
Wenig Purine essen.
Wie wir wissen, sind Purine vor allem in den Zellkernen, d. h.
sie sollten Gewebe mit vielen Zellkernen meiden. Das sind
Innereien, Haut und Muskel. Sie sollten Fisch, Geflügel und
sogar auch Obst ohne "Haut" - geschält essen.
-
Sich betont basisch
ernähren, d. h. ausser Massnahmen unter Punkt 1 viel Gemüse,
Salat und Obst essen, Käse Typ Emmentaler, Camembert - mit viel
Schwefel - meiden.
-
Mit Fruchtzucker
gesüsste künstliche Getränke meiden. Fruchtzucker führt zur
vermehrten Synthese von Harnsäure. Früchte
alleine und frisch zubereitete Fruchtsäfte haben nicht diese
Wirkung
-
Alkoholgetränke,
vor allem Bier meiden oder nur mit Mass und zu basisch
betonten Speisen trinken.
-
Genug Flüssigkeit
zu sich nehmen.
Mit diesen Massnahmen können wir die Harnsäure
senken und ihre Ablagerung in den Gelenken hemmen. Es gelingt damit,
Patienten mit schwächerer Gicht von den Schmerzen ganz zu bewahren.
Bei starker Gicht reduzieren wir wesentlich die Menge der nötigen
Medikamente.
Pseudogicht
(Chondrokalzinose) zeigt sich mit ähnlichen
Schmerzen wie die Gicht, nur befällt sie eher grosse Gelenke, vor
allem das Knie. Aus nicht klaren Gründen*** lagert sich bei
Pseudogicht ein Kalziumsalz - Kalziumphosphat - in den Gelenken ab.
Sowohl die Ablagerung wie auch die Schmerzen werden durch dieselben
Bedingungen, wie bei Gicht begünstigt und so gelten dieselben Ernährungsmassnahmen,
nur auf die Menge der Purine muss man nicht so streng achten, dafür
ist für genug Magnesium zu sorgen. Eisenüberfluss
(z. B. bei sog. Hämochromatose) begünstigt auch die Entstehung der
Pseudogicht.
Kalziumphosphat lagert sich
bei jeder Arthrosen in den Gelenken ab. Besonders eindrücklich
sieht man es auf den Röntgenaufnahmen der kleinen Wirbelsäulengelenke
und der Bandscheiben. Die Ernährung dagegen ist klar- wenig
Säure, viele Basen.
Eine gute Übersicht über Vorbeugung und Therapie der Arthrose können
Sie hier
anschauen und herunterladen.
Was schlecht ernährt und durchblutet ist - ist
sauer. Als Gegenmassnahme, sog. Neutralisation lagern sich dort die
Kalziumsalze ab. So entstehen Verkalkungen an den Sehnen und
an den Gefässwänden. Dreimal dürfen Sie raten, welche Ernährung
dagegen wirkt - die basisch betonte (Rotationsernährung)
natürlich.
* Es gibt Gedankenspiele, dass dies wesentlich zur Entwicklung
des Menschenzweiges beigetragen hat. In der Tat sind Menschen, die
unter Gicht leiden, mehrheitlich unter den Aktiven, Erfolgreichen
anzutreffen (Ausnahme Gicht wegen Alkoholismus). Vielleicht ist es
nur ein Zeichen für (zu) gute Ernährung, die früher nicht allen möglich
war.
** Nach neusten Untersuchungen bauen Patienten mit Gicht vermehrt
gewisse Entzündungsfaktoren auf.
*** Die Pseudogicht kommt häufig bei einer seltenen Störung des
Kaliumtransportes vor - beim Gitelman-Syndrom. Seit kurzem weiss
man, welche Moleküle, welcher Transporter geschädigt ist und so
bringen die weiteren Untersuchungen wahrscheinlich Klarheit, welche
Faktoren die Rolle bei der Ablagerung von Kalziumsalzen bei
Pseudogicht und Arthrose und von Harnsäure bei Gicht in den
Gelenken spielen.
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