Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
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Letzte redaktionelle Änderung 13.1.2010

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Gicht, Pseudogicht und Arthrose


Gicht
ist eine Krankheit, bei welcher die vermehrte Ansammlung von Harnsäure im Gewebe, vor allem in Gelenken, Beschwerden und Schmerzen verursacht. Harnsäure ist eine schwache organische Säure, die nur bei Menschen* Endprodukt des Stoffwechsels der Purine ist. Purine sind Bestandteile von Nukleinsäuren, die in Zellkernen die Vererbung und in der Zellflüssigkeit die Synthese von Eiweissen und die Energievorgänge vermitteln.

Die Purine und damit die Harnsäure entstehen ca. zu 2/3 im Körper und ca. 1/3 werden aus der Ernährung aufgenommen. Die Harnsäure wird wieder ungefähr zur Hälfte von den Nieren und dem Darm ausgeschieden. Die Harnsäure fällt leicht aus. In wässriger Lösung tut sie es bei der Konzentration um 450 Mikromol pro Liter. Das Ausfallen ist von der Temperatur, des Säure-Basen-Zustandes (sog. pH), der Anwesenheit verschiedener Salze und anderer Stoffe in der Lösung abhängig. Wie auch, die normale Grenze der Harnsäure (420 Mikromol/Liter) ist eine der wenigen Grenzen, die nicht statistisch, sondern physiko-chemisch bestimmt ist, da sich über diese Grenze die Harnsäure-Krystalle bilden können, die dann Beschwerden verursachen können**.

Die Gicht kann grundsätzlich entstehen, wenn

  1. der Körper vermehrt Purine synthetisiert oder 

  2. diese aus der Ernährung aufnimmt oder 

  3. die Harnsäure weniger ausscheidet, wobei da wahrscheinlich nur die Ausscheidung durch die Niere eine Rolle spielt.

Die Purine werden nur bei seltenen angeborenen Stoffwechselstörungen vermehrt synthetisiert, man sollte daran denken, wenn ein Kind oder eine Frau im Gebäralter Gicht hat. Die zwei letzten Gründe kommen zusammen vor und sind für die Entstehung der gewöhnlichen Gicht verantwortlich. Unsere Niere synthetisiert Ammoniak, um die im Urin vorhandenen Säuren zu neutralisieren. Wie alles, ist auch diese Fähigkeit nicht bei allen Menschen gleich. Die Nieren gewisser Menschen können es besser, andere schlechter. Bei den letzten wird dann dafür mehr von einer Base, Kalium, gebraucht. Zum Ausgleich wird vermehrt die schwache Säure, die Harnsäure, nicht nur in den Nierenzellen, sondern als Folge vom ganzen Körper zurückbehalten. Je mehr nicht abbaubare anorganische Schwefel-, Phosphor- und Salpetersäuren der Mensch in der Ernährung aufnimmt, desto mehr muss er sie in der Niere ausscheiden. Damit wird dieses System der Säure-, Ammoniak-, und Basenausscheidung mehr belastet und es wird mehr Harnsäure zurückbehalten. Die Menge der Harnsäure im Körper steigt, und sie fällt erst in Form von kleinen Krystallen, später grösseren Knoten, sog. Tophi, aus. Aus verschiedenen Gründen geschieht dies vor allem in den Gelenken und weniger häufig in den Nieren. Von den Gelenken sind zuerst die schlechter durchbluteten, dauernd belasteten, peripheren Kleingelenke betroffen, und die Gicht beginnt typisch im Grosszeh- oder im Daumengrundgelenk. Aber auch andere, durch Arthrose oder Trauma betroffene Gelenke können Schmerzen machen. So kann sich die Gicht an Knie-, Hüft-, Wirbelsäule-, Schulter-, sogar Sehneansatzschmerzen wie Fersensporn oder Tennisellenbogen beteiligen.

Wenn wir purinreiche Lebensmittel essen, erhöhen wir um ca. ein Drittel die Menge der Harnsäure im Körper, durch säurehaltige Lebensmittel belasten wir das  System der Säure-, Ammoniak-, und Basenausscheidung noch mehr. Die vermehrte Einnahme von Purinen ist meistens mit der verminderten von Basen, vor allem von Kalium, verbunden, da wir nicht nur viel Fleisch und Käse, aber gleichzeitig auch zu wenig Salat, Gemüse und Obst essen. 

Wie bekannt, kommen Anfälle von Gicht gehäuft nach gutem Essen und Trinken von Alkoholgetränken vor. Mit "gutem" Essen nehmen wir viele Purine zu uns und der Alkohol macht uns "saurer" (vor allem Bier enthält auch sehr viele Purine) - beides erhöht die Ablagerung der Harnsäure und letztere erniedrigt noch die Schmerzschwelle. Hohe Eisenspiegel als Folge von Fleisch- und Innereienkonsum können auch bei den Anfällen und bei der Zerstörung der Gelenke durch Gicht eine Rolle spielen. Sie begünstigen die Entstehung der sog. freien Radikale, die zu oxidativem Stress und vermehrten Schmerzen und Abnützung führen.

Harnsäure schützt gegen oxidativen Stress. Verminderte Werte findet man bei manchen neurologischen Krankheiten wie Parkinsonkrankheit, Multiple Sklerose und Alzheimerkrankheit. Es gibt Anhaltspunkte, dass die künstliche Erhöhung der Harnsäure den Verlauf dieser Krankheiten bessert. Man soll also bei der Therapie der Gicht den Spiegel der Harnsäure im Blut nicht zu viel senken.  

Es gibt auch Gicht ohne Anfälle, mit Dauerschmerz. Sie befällt eher die grossen Gelenke (Hüfte, Knie) und die Wirbelsäulengelenke. Und es gibt auch Gicht ohne (dauernder) Erhöhung der Harnsäure. Man nimmt an, dass durch die Ablagerung im Gewebe die Harnsäure erniedrig wurde oder die noch unbekannten Faktoren (Übersäuerung?) die Harnsäure in die befallenen Gelenke ziehen. Diese Faktoren spielen eine grosse Rolle, da die Harnsäure häufig wesentlich erhöht sein kann (sog. Hyperurikämie) und zu Schmerzen und zu Gicht kommt es erst später oder nie.**

Was können wir Leuten mit Gicht betr. Ernährung empfehlen?

  1. Wenig Purine essen. Wie wir wissen, sind Purine vor allem in den Zellkernen, d. h. sie sollten Gewebe mit vielen Zellkernen meiden. Das sind Innereien, Haut und Muskel. Sie sollten Fisch, Geflügel und sogar auch Obst ohne "Haut" - geschält essen.

  2. Sich betont basisch ernähren, d. h. ausser Massnahmen unter Punkt 1 viel Gemüse, Salat und Obst essen, Käse Typ Emmentaler, Camembert - mit viel Schwefel - meiden.

  3. Mit Fruchtzucker gesüsste künstliche Getränke meiden. Fruchtzucker führt zur vermehrten Synthese von Harnsäure. Früchte alleine und frisch zubereitete Fruchtsäfte haben nicht diese Wirkung

  4. Alkoholgetränke, vor allem Bier meiden oder nur mit Mass und zu basisch betonten Speisen trinken.

  5. Genug Flüssigkeit zu sich nehmen.

Mit diesen Massnahmen können wir die Harnsäure senken und ihre Ablagerung in den Gelenken hemmen. Es gelingt damit, Patienten mit schwächerer Gicht von den Schmerzen ganz zu bewahren. Bei starker Gicht reduzieren wir wesentlich die Menge der nötigen Medikamente.

Pseudogicht (Chondrokalzinose) zeigt sich mit ähnlichen Schmerzen wie die Gicht, nur befällt sie eher grosse Gelenke, vor allem das Knie. Aus nicht klaren Gründen*** lagert sich bei Pseudogicht ein Kalziumsalz - Kalziumphosphat - in den Gelenken ab. Sowohl die Ablagerung wie auch die Schmerzen werden durch dieselben Bedingungen, wie bei Gicht begünstigt und so gelten dieselben Ernährungsmassnahmen, nur auf die Menge der Purine muss man nicht so streng achten, dafür ist für genug Magnesium zu sorgen. Eisenüberfluss (z. B. bei sog. Hämochromatose) begünstigt auch die Entstehung der Pseudogicht.

Kalziumphosphat lagert sich bei jeder Arthrosen in den Gelenken ab. Besonders eindrücklich sieht man es auf den Röntgenaufnahmen der kleinen Wirbelsäulengelenke und der Bandscheiben. Die Ernährung dagegen ist klar- wenig Säure, viele Basen.

Eine gute Übersicht über Vorbeugung und Therapie der Arthrose können Sie hier anschauen und herunterladen. 

Was schlecht ernährt und durchblutet ist - ist sauer. Als Gegenmassnahme, sog. Neutralisation lagern sich dort die Kalziumsalze ab. So entstehen Verkalkungen an den Sehnen und an den Gefässwänden. Dreimal dürfen Sie raten, welche Ernährung dagegen wirkt - die basisch betonte (Rotationsernährung) natürlich.

* Es gibt Gedankenspiele, dass dies wesentlich zur Entwicklung des Menschenzweiges beigetragen hat. In der Tat sind Menschen, die unter Gicht leiden, mehrheitlich unter den Aktiven, Erfolgreichen anzutreffen (Ausnahme Gicht wegen Alkoholismus). Vielleicht ist es nur ein Zeichen für (zu) gute Ernährung, die früher nicht allen möglich war.

** Nach neusten Untersuchungen bauen Patienten mit Gicht vermehrt gewisse Entzündungsfaktoren auf.

*** Die Pseudogicht kommt häufig bei einer seltenen Störung des Kaliumtransportes vor - beim Gitelman-Syndrom. Seit kurzem weiss man, welche Moleküle, welcher Transporter geschädigt ist und so bringen die weiteren Untersuchungen wahrscheinlich Klarheit, welche Faktoren die Rolle bei der Ablagerung von Kalziumsalzen bei Pseudogicht und Arthrose und von Harnsäure bei Gicht in den Gelenken spielen.

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