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Letzte Redaktionsänderung 20.7.09
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Eisen und
Ernährung*
Eisen (Ferrum, Fe) ist ein Element, das der
Sauerstoffübertragung und den Oxydation -
Reduktions-Prozessen dient. Bei der sog. oxidativen Phosphorylation
wird in
tierischen Zellen mithilfe des Eisens die Energie aus Kohlenhydraten
(komplizierter Zucker), Fetten und Eiweiss gewonnen. Diese Aufgabe hat Eisen während
der Entwicklung des Lebens übernommen, da es leicht ein
Elektron aufnimmt und abgibt, von der Form Fe++ in die Form
Fe+++ und umgekehrt. Jede menschliche
Zelle enthält Eisen, ohne kann sie nicht leben.
Die Rolle des Mangels und des Überflusses an
Eisen kann man, ähnlich wie die Funktion der Schilddrüse,
mit der Dochtschraube einer Öllampe vergleichen: Schraubt man
den Docht zu hoch (zu viel Eisen), brennt die Lampe zu stark, der
Glasszylinder kann bersten. Schraubt man den Docht zu tief (zu
wenig Eisen), brennt die Lampe zu wenig, man hat zu wenig Licht,
um arbeiten oder lesen zu können. Eine hohe
Eisenmenge beschleunigt oxidative Prozesse, erhöht den sog. oxidativen Stress, der die Entwicklung von Entzündung, Gicht,
Arthrose, Rheuma, Arteriosklerose,
Herzinfarkt, Herzschwäche, Krebs,
Alzheimerkrankheit, grauen Star
beschleunigt - man rostet eben eher. Auch Bakterien
brauchen
Eisen zur Gewinnung der Energie und zum Wachstum. Je mehr Eisen
sie im menschlichen Körper zur Verfügung haben, desto
besser gedeihen sie und verursachen eher und schwerere
Infektionen. Deswegen ist man zurückhaltend mit einem
allgemeinen, ungezielten Zusatz von Eisen zu Nahrungsmitteln
(Functional Food) in Entwicklungsländern, da man damit die
Infektionsgefahr erhöhen würde. Man sucht auch Wege, wie
man die Eisenabhängigkeit der Bakterien im Kampf gegen
Infektionen statt Antibiotika nützen könnte.
Die Menge des Eisens im Körper wird streng
kontrolliert und geregelt, aber nur deren Aufnahme. Eisen
verlieren wir, ausser bei Blutungen, nur durch den natürlichen
Abgang der abgestorbenen Zellen des Magen-Darm-Traktes und der
Haut. Ganz wenig geht durch den Schweiss verloren. Die Niere
scheidet praktisch kein Eisen aus. Der Körper kann nur die
Aufnahme, jedoch nicht die Verluste nach Bedarf steuern.
Für die Aufnahme des Eisens
aus der Nahrung sind folgende Einflüsse wichtig:
Die Menge in
der Nahrung. Am meisten Eisen enthält
Fleisch (dunkles mehr als helles), noch dazu in einer
verfügbareren Form als pflanzliche Lebensmittel (s. 2.). Bei
einer abwechslungsreichen
Kost, leiden ohne irgendeiner zusätzlicher Störung (s.u.) jedoch auch Vegetarier und
Veganer nicht unter Eisenmangel.
Die
Form. Eisen kommt in der Nahrung in organischen Verbindungen vor. Zwei organische
Verbindungen des Eisens, der rote Farbstoff des Blutes, das
Hämoglobin und der ihm verwandte Farbstoff des Muskels, das
Myoglobin, werden auf anderen Wegen und leichter als die
Eisensalze aus anderen Verbindungen aus dem Darm in das Blut aufgenommen, resorbiert. Aus
den anderen organischen Verbindungen muss das Eisen erst mit Hilfe
der Säure im Magen befreit werden. Ausserdem begünstigt
die Magensäure auch den Übergang der Fe+++
in die besser resorbierbare Form der Fe++ Salze.
Medikamente, die man bei Speiseröhren- Magen- und
Zwölffingerdarmkrankheiten benützt, die sog.
Säureproduktionshemmer, scheinen merkwürdigerweise nur
einen unwesentlichen Einfluss auf die Resorption von Eisen zu
haben. Dagegen kann sie die Infektion der Magenschleimhaut mit
einem Bakterienkeim, dem Helicobacter
pylori, hemmen. Sie führt manchmal zu einer
atrophischen (zum Schwund führenden) Form der Entzündung,
bei der die Produktion der Magensäure und auch die Resorption des Eisens vermindert wird. Dabei dürfen auch
andere Faktoren als die Hemmung der Säureproduktion einen
Einfluss haben.
Die
Zusammensetzung der Nahrung. Manche pflanzliche Stoffe (
Polyphenole, Flavinoide, Anthocyane, Catechine, Tannine) und
manche Ionen (Phosphat) binden das Eisen und hemmen
damit seine Aufnahme aus dem Darm. Auf der anderen Seite begünstigen
verschiedene Antioxydantien in den Pflanzen, als Beispiel sei die
Ascorbinsäure (Vitamin C) genannt, ähnlich der
Magensäure (s. P. ) den Übergang der schlecht
resorbierbaren Fe+++- in die besser resorbierbaren
Fe++- Salze (die Rolle der beiden Eisenformen bei der
Resorption ist jedoch noch nicht entschieden). Da bei der vegetarischen Ernährung
die gut resorbierbaren Eisenquellen Hämoglobin und Myoglobin
fehlen, werden die Eisenreserven (gesund) tiefer gehalten.
Darmflora -
die Bakterien im Dickdarm. Joghurt,
Sauermilch und Muttermilch erhöhen die Menge der
Biffidus-Bakterien, die das Eisen aus den Salzen fest binden und
so seine Aufnahme verhindern - ein Grund, warum lange
ausschliesslich gestillte Säuglinge oft unter Eisenmangel
leiden.
Der Inhalt der
Eisenspeicher. Die leere(re)n Eisenspeicher begünstigen,
die vollen hemmen die Resoption sowohl der Eisensalze wie auch
der organischen Eisenverbindungen. Dies geschieht hauptsächlich
durch Hepcidin, ein Eiweiss, das in der Leber produziert wird.
Der Zustand der
Darmschleimhaut. Das Eisen wird zwar im Dünndarm resorbiert.
Merkwürdigerweise führen auch Störungen des Dickdarmes zur verminderten
Eisenresorption. Vermutlich ist durch die Entzündung
vermehrte Synthese von Hepcidin in der Leber (s.5.) dafür
verantwortlich. Es sind chronische Entzündungen
wie Colitis ulzerosa, Morbus Crohn und immunologische Reaktionen
wie Zöliakie
(Weizenunverträglichkeit) und andere
Lebensmittelunverträglichkeiten.
Bei den Entzündungen (und Unverträglichkeiten) wird wieder
das Hepcidin vermehrt produziert, das die Aufnahme des Eisens
hemmt.
Je nach der Menge und Form des Eisens in der
Nahrung und je nach Zustand der Speicher wird 10 - 90% des Eisens
aus dem Darm ins Blut aufgenommen (resorbiert).
Wie zeigt sich Eisenmangel,
wann muss man an ihn denken?
Die häufigste durch Eisenmangel verursachte
Krankheit ist die Blutarmut. Folgende weitere Zeichen können
manchmal auch ohne ausgeprägter Blutarmut vorkommen:
Mundwinkel-
und/oder Zungenentzündung
Schluckbeschwerden
Magenbeschwerden
(Magenschleimhautentzündung)
Nagel- und
Haarveränderungen
Hautausschläge,
meistens mit Juckreiz
(Immun-) Abwehrschwäche mit Neigung zu Infektionen
Muskuläre
Beschwerden (Ermüdbarkeit,
wechselhafte Schmerzen = Fibromyalgie)
Müdigkeit
Verhaltens- und Nervenstörungen vor
allem bei Kindern
Was soll man bei einem Eisenmangel
tun?
(s. Flussdiagram unten).
Die Verluste bei chronischen Blutungen können
die gefährlichste Art des Eisenmangels sein. Die häufigste
Ursache bei Frauen im gebärfähigen Alter sind vermehrte
und starke Regelblutungen. Bei Männern wie auch bei Frauen
mit normalen Regelblutungen, während und nach den
Wechseljahren, muss man nach Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt
suchen. Je älter man ist, desto eher kommt Krebs in Frage.
Chronische Entzündungen (z. B. Rheuma) führen ebenfalls
zu einem, meistens aber nicht starken Eisenmangel. Eher in den
Entwicklungsländern muss man an Darmparasiten als Grund
denken. Wenn man keine Blutungsquelle findet, kann man ruhiger
nach anderen Ursachen des Eisenmangels suchen.

Man kann dann eine "Belastung"
versuchen: Die Person mit Eisenmangel nimmt ein Eisenpräparat
in genügender Dosis* ein und kontrolliert nach 3-4 Wochen die
Eisenvorräte. Falls sie genügend gestiegen sind, ist die
Aufnahme des Eisens nicht benachteiligt und der Grund für den
(vorübergehenden) Eisenmangel liegt entweder in einer doch
noch nicht entdeckten Blutungsquelle oder in der Art der
Ernährung. Wenn sie unverändert bleiben oder nur
unwesentlich höher sind, ist die noch nicht entdeckte
Blutungsquelle ziemlich stark (es kann sich auch um kurzfristige,
vorübergehende, starke Blutungen handeln) oder es liegt eine
Eisenresorptionsstörung vor.
Dann kann man Eisenampullen (100-150 mg Eisen) in die Vene
in einem Abstand von 1-2 Wochen 3-4 mal injizieren
und wieder kontrollieren, ob und für wie lange die
Eisenvorräte gestiegen sind, falls nur unwesentlich oder nur
für kurze Zeit (2-3 Wochen), liegt eine unerkannte
Blutungsquelle vor, wenn wesentlich und für längere Zeit
(>4 - 6 Wochen), ist eine Eisenresorptionsstörung
vorhanden.
Eisentabletten, -sirup. -tropfen und -spritzen
soll man zusammen mit Vitamin C und E einnehmen. Sonst können
die Eisenpräparate die Oxydation erhöhen, sog.
oxidativen Stress verursachen. In der Schweiz gibt es ein
Eisenpräparat, Ferrascorbin der Fa Streuli, eine Mischung mit
Vitamin C*.
Dann sind folgende weitere Schritte
angebracht:
Suche nach der
Infektion mit Helicobacter pylori (Grund s. 2).
Suche nach noch
unerkannten chronischen Darmentzündungen (Grund s. 6) und
nach Zöliakie (auch 6).
Suche nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten
(Grund s. 6). Dies nur, wenn man
bereit ist, die Ernährung zu ändern. Wenn nicht, kann
man die verminderte Resorption im Darm durch regelmässige
Eiseninjektionen umgehen.
Bei der Verabreichung des Eisens durch den Mund
muss man sich bewusst sein, dass andere, für den Körper
wichtige Metalle wie Mangan, Zink, Kupfer, auf demselben Wege wie
die Eisensalze aufgenommen werden. Sie konkurrieren um den Platz,
sodass bei dauernd grossen Eisenmengen ein Mangel an diesen
Stoffen entstehen kann.

Umgekehrt trifft es auch die
giftigen Schwermetalle Quecksilber und Kadmium, sodass man es bei
voraussehbaren akuten Belastungen mit Quecksilber, wie bei
Amalgambehandlungen, nützen und 1-2 Stunden vorher eine
nicht retardierte Eisentablette einnehmen. kann
Es gibt auch andere Gründe, warum man Eisen
nicht dauernd, noch dazu in einer grösseren Dosierung
einnehmen soll. Die Darmschleimhaut kann geschädigt werden. Sie wehrt sich durch
den sog. "Schleimhautblock" (dessen
molekuläre Grundlage bereits bekannt ist), gegen ständige,
schädliche grosse Mengen von Eisen. Eine "Rotation"
(Pausen von 2-3 Tagen) ist auch hier angebracht. Manche
"Eisenfachleute" empfehlen 20 Tropfen eines
Kinderpräparates (z.B. Maltofer oder Ferrascorbin in der
Schweiz) nur 2-3 mal pro Woche!
Eine andere, neue Möglichkeit ist, ein
(verkürztes) Hämoglobinpräparat, sog. Proferrin durch den Mund zu
nehmen. Wie wir bereits oben erwähnt haben, das Eisen sowohl aus
dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin wie aus Myoglobin aus Muskel
wird auf einem anderen Weg aufgenommen, der wenig(er) gehemmt ist.
Damit kann man die Verabreichung der Eisenampullen durch die Vene
vermeiden. Proferrin kann man nur aus dem Internet beziehen. Bei uns
steht es zur Verfügung.
Proferrin - Hämoglobin mit
verkürzter Proteinkette

Die Eisenaufnahme aus dem Darm verbessert man, in
dem man
Zu den Hauptmahlzeiten keinen schwarzen Tee
und Kaffee trinkt, da diese Stoffe enthalten, welche die
Eisenaufnahme vermindern
Milch und Milchprodukte als
Zwischenmahlzeiten konsumiert, da Kalzium die Aufnahme
dosisabhängig hemmt (s.o.)
Gemüse als Vitamin C-Quelle zu den
Hauptmahlzeiten isst
Die bioenergetische
Behandlung NAET
hilft die Resorptionsstörungen der Metalle zu beheben.
Wir sind entschieden gegen Verabreichung von
grösseren Mengen von Eisen in die Vene, sog. Eiseninfusionen. Damit
erreicht man für längere Zeit das, gegen was sich der Körper
durch komplizierte Regulationen wehrt, weil es giftig ist -
Eisenüberfluss*
(s. dazu
unseren Leserbrief, der dazu im
angesehenen "Swiss Medical Forum" veröffentlicht wurde)
Die schädlichen
Folgen dieses Zustandes zeigen sich deutlich bei Hämochromatose,
der häufigsten angeborenen Krankheit (ca 1:350-500), bei der
die Eisenaufnahme aus dem Darm gestört ist. Die Betroffenen
überfüllen allmählich ihre Eisenvorräte. Bei
Männern zeigen sich Folgen davon schon nach 15 - 20 Jahren,
bei Frauen wegen ihrer Blutverluste bei der Menstruation später:
Hautverfärbung, Leber- (Zirrhose, Krebs),
Bauchspeicheldrüse- (insulinpflichtige Zuckerkrankheit),
Herz- (Herzschwäche,
Rhythmusstörungen), Gelenk- (Chondrokalzinose)
-störungen und Unterfunktion der Geschlechts- und endokrinen
Drüsen (verminderte Hormonproduktion). Die Immunabwehr ist
auch gestört, was sich in vermehrter Infektanfälligkeit
und schwereren Verläufen von Infektionen zeigt.
Noch andere Umstände führen zu
Eisenüberfluss. Bei manchen Arten von Blutarmut (am
häufigsten bei sog. Thalasämien) wird als Ansporn zur
besseren Blutbildung die Eisenaufnahme aus dem Darm vermehrt, ohne
dass dies die Blutarmut beeinflussen kann. Damit gesellen sich
aber die schädlichen Folgen des Eisenüberflusses noch zu
denen der Blutarmut. Es ist deshalb unangebracht bei Blutarmut,
vor allem bei Kindern, ohne ihre Art und Gründe abzuklären,
automatisch Eisenpräparate zu verabreichen.
Alkohol gehört auch zu den oben erwähnten
Stoffen, welche die Eisenaufnahme beschleunigen (es wird in der
Leber weniger Hepcidin produziert). Die erhöhte
Eisenmenge trägt zu den schädlichen Einflussen des
Alkohols bei. Die Leberschrumpfung, Leberkrebs,
Infektanfälligkeit, (s. auch oben bei Hämochromatose)
treten eher ein und werden schwerer. Alkoholische Getränke sind
also kein gutes Mittel gegen Eisenarmut.
Durch Bluttransfusionen erhält der Körper
auch relativ grosse Mengen von Eisen. Da er keine Möglichkeit
hat, es vermehrt auszuscheiden, werden bei häufigen
Bluttransfusionen die Eisenvorräte überfüllt.
Was kann man seitens der Ernährung
gegen Eisenüberfluss tun?
Bei allen diesen Zuständen ist es
vorteilhaft, auf die eisenreichen Lebensmittel (Fleisch,
Innereien) und Alkohol weitgehend zu verzichten und grosse Mengen
von Vitamin C zu meiden. Umgekehrt, man soll pflanzliche
Lebensmittel mit Stoffen, die die Eisenresorbtion hemmen,
bevorzugen. Kurzum: sich basisch betont,
eher vegetarisch ernähren.
Dies gilt eigentlich für uns alle, wollen wir
möglichst gesund und leistungsfähig bleiben. Der Spiegel
der Eisenvorräte, sog. Ferritinwert soll sich im Blut
zwischen 50 - 100 mikroMol/L bewegen. (Sein statistisch ermittelter
Normwert liegt 20 - 200 mikroM/L. Der Arzt weiss, wann
Abweichungen möglich und zusätzliche Untersuchungen
nötig sind.)
* Die Fassung des Textes wurde dankbar auch auf den vom Autor
(Kieffer F:) zur Verfügung gestellten Artikel
"Eisenüberladung und oxidativer Stress" (Forsch
Komplemäntermed 1995;2:259-67) gestützt.
Falls
Sie uns wieder besuchen möchten
(was uns unheimlich freuen würde)
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