Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
Anmeldung T: 071 250 15 18 Fax: 071 250 15 19 E-mail: Peter.J.Marko@hin.ch


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Letzte redaktionelle Änderung 22.5.07

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Zöliakie (Coeliakie, Einheimische Sprue)

 

Bei Zöliakie reagieren die Betroffenen mit verschiedenen Gesundheitsstörungen auf die Weizeneiweisse Gluten, die auch Roggen, Gerste, Dinkel, Ur-Dinkel, Grünkern, Hafer, Einkorn, Emmer und Kamut enthalten. Von Natur aus glutenfrei sind Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth und Buchweizen. Die Neigung zur Empfindlichkeit ist angeboren, jedoch nicht alle Träger der Anlage werden krank. Ob sie sich durchsetzt oder nicht, hängt vom Zustand des Immunsystems und folgenden Umweltumständen ab:

  • Wie früh und wie plötzlich werden in der Kindheit Weizen und weizenhaltige Nahrungsmittel eingenommen. Je später und je allmählicher, desto besser. Deswegen Stillen verschiebt und mildert die Krankheit.

  • Je mehr und öfters Weizen gegessen wird, desto schlimmer. Zu der steigenden Zahl der Zöliakiekranken tragen nicht nur die besseren Kenntnisse und diagnostischen Möglichkeiten bei, sondern auch die Züchtung von besonders eiweissreichen Weizensorten. Während die ursprünglichen um 5% Eiweiss enthalten, sind es bei den neuen Sorten gegen 20%. Der Grund ist nicht nur ihr hoher Nährwert, sondern auch der bessere Geschmack des Brotes.

Die Allergie ändert die Dünndarmschleimhaut: sie wird dünner und schwächer, wodurch sie ihre Aufgaben schlecht erfüllt. Sie nimmt gewisse Stoffe weniger auf. Die nicht aufgenommenen Stoffe, wie Vitamine, Eisen, Kohlenhydrate (u.a. Milchzucker – Laktose) und Fette, fehlen dem Körper, was zu Mangelerscheinungen führt. Nicht aufgenommen, gelangen sie in den für sie ungewohnten Dickdarm, werden von Dickdarmbakterien verstoffwechselt und verursachen Verdauungsstörungen - Blähungen, fetthaltige Durchfälle oder Verstopfung. Auf der anderen Seite lässt die geschädigte Dünndarmschleimhaut manche Stoffe, wie unverdaute Eiweisse und ihre Bruchstücke, vermehrt durch.  Sie sind immunologisch aktiv und verschlimmern die bestehenden Unverträglichkeiten und Allergien und verursachen neue.

Bei dem Kontakt mit dem Weizeneiweiss Gluten produziert die Dünndarmschleimhaut der Zöliakie-Patienten ein Eiweiss, sog. Zonulin,  das ihre Durchlässigkeit steigert. Somit gelangt eine noch grössere Menge von Gluten in das Immunsystems des Darmes. 
Dort wird es vom Enzym Transglutaminase sog. deaminiert (verliert die Aminogruppe) und dient so den Immunzellen als Antigen, gegen das sie die IgG-Antikörper bilden. Der krankhafte Verlauf beginnt und verstärkt sich. 
Das Zonulin steigert auch die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schränke, was die krankhaften Zeichen der Zöliakie seitens des Nervensystems, vielleicht auch anderer Organe mindestens teilweise erklärt*.  

Einen ähnlichen Prozess kann man auch bei Unverträglichkeiten, die von der Erhöhung der IgG anderer Lebensmittel begleitet sind, vermuten. Sicher ist, dass die erhöhte Nahrungsmittel-IgG-Menge zeigt, dass zu viel des Lebensmittels das Immunsystem durch die Darmschleimhaut erreicht hat.

Dadurch ist auch klar, warum die Zöliakie von anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten begleitet wird und das Auslassen von Gluten aus der Nahrung den Zustand meistens nicht ganz bessert.

Wann soll man an Zöliakie denken, welches sind Anzeichen dafür

Es gibt drei Formen der Zöliakie: offene, versteckte und latente.

Offene: Die Kinder, manchmal schon zugefütterte Säuglinge leiden unter Blähungen, Durchfall, haben grosse Bäuche, gedeihen schlecht, wachsen verlangsamt. Erwachsene haben Verdauungsstörungen, Blähungen und Durchfälle, die mit verschiedenen anderen Störungen wie Aphten (Mundblasen) Blut- und Vitaminmangel, Knochenschwäche, Unfruchtbarkeit, und allgemein schlechtem körperlichem und psychischem Zustand einhergehen können.

Versteckte (oligosymptomatische): die Verdauungsstörungen stehen nicht im Vordergrund, sie können sogar ganz fehlen. Die Patienten leiden unter einer oder mehreren Folgen der Mangelzustände (Blutarmut, Vitaminmangel, Knochenschwäche, Knochenschmerzen, Unfruchtbarkeit, Impotenz, Untergewicht, Schwäche), Zahnproblemen, unklaren neurologischen und psychischen Störungen*. Vor allem diese Form wird oft lange übersehen.

Ein Beispiel neurologischer Störungen, die durch Zöliakie verursacht werden können, ist die sog. Ataxie (Gangunsicherheit). Vor Kurzem wurde auch ein Fall von wiederholter Gesichtsnervlähmung beschrieben (Facialisparese), die erst nach gluteinfreier Ernährung verschwand. Jeder zehnte Schizophreniepatient leidet unter Zöliakie (in der Durchschnittsbevölkerung jeder hundertste). 

Man soll bei allen Formen der Zöliakie die Blutwerte von Ferritin (Eisenvorräte), Vitamin B12 und Folsäure kontrollieren, da ihre Aufnahme, wie oben erwähnt, beeinträchtigt werden kann und ihr Mangel verschiedene Beschwerden verursacht. Umgekehrt ist es bei Mangel an diesen Stoffen angebracht, an Zöliakie oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeit als Grund zu denken.

Eine Hautkrankheit, Dermatitis herpetiformis Duhring, ist wie Zöliakie eine Weizenallergie. Sie kann mit anderen Zöliakie-Zeichen oder nur als solche vorkommen. Dann gehört sie zu der versteckten Form.

Die relativ häufige Milchzuckerunverträglichkeit ist nicht selten durch Zöliakie verursacht und deswegen soll man bei ihrem Vorkommen mit dem neuen Bluttest (s. unten) nach Zöliakie suchen.

Latente (potentielle, mögliche): es sind Patienten, die nach der Therapie keine Beschwerden mehr haben und Verwandte von Zöliakie-Patienten, die nur labormässig zur Zöliakie gehören, aber (noch) keine Zeichen der Krankheit haben, unter der Krankheit (noch) nicht leiden. Wenn sie jedoch grössere Mengen weizenhaltiger Nahrungsmittel konsumieren, steigt die Wahrscheinlichkiet, dass sie auch erkranken. Eigentlich sollte man nahe Verwandte von Zöliakie-Patienten untersuchen (s.u), ob sie die Neigung, diese Krankheit zu entwickeln, geerbt haben.

Mit Zöliakie sind oft Autoimmunkrankheiten verbunden, bei denen die gestörte Immunabwehr eine Rolle spielt, wie gewisse Formen der Zuckerkrankheit, Schildrüsenentzündungen, Leberentzündungen, Nierenstörungen, rheumatische Krankheiten (Sjögren Syndrom), aber auch solche, bei denen wir bisher meinen, das Immunsystem sei kaum einbezogen, wie Schizophrenie (eine psychische Erkrankung).

Mütter mit Zöliakie sollen ihre Kinder möglichst lange stillen (6-8 Monate) und  möglichst spät und wenig Kuhmilch und Milchprodukte in die Nahrung einführen, zeigte eine Studie.

Wie weiss man, ob jemand unter Zöliakie leidet?

Man kann die Zöliakie mit verschiedenen Methoden nachweisen:

  • Durch mikroskopische Untersuchung der Dünndarmschleimhaut. Zur Entnahme der Probe muss man die Magen-Zwölffingerdarm Spiegelung durchführen. Das Ergebnis ist von der Erfahrung des Untersuchers abhängig. Ob deswegen oder aus anderen Gründen, gibt es Fälle, bei denen diese Untersuchung versagt.

  • Es gibt mehrere Untersuchungen des Blutes. Die neueste (Gewebe-Transglutaminase-Antikörper) soll die zuverlässigsten Ergebnisse bringen und ist noch die preisgünstigste dazu. Man soll nur sie verwenden.

  • Die Aufnahme und damit die Ausscheidung von vielen Stoffen im Urin ist bei Zöliakie benachteiligt. Als Prüfung dieser Funktion dienen die Zucker Xylose und Laktose (Milchzucker). Diese Tests sind auch bei anderen Störungen der Darmfunktion verändert und damit nicht nur für Zöliakie charakteristisch

  • Schon 1-2 Wochen nach Weglassen des Weizeneiweisses aus der Ernährung bessern die Magen-Darm Beschwerden. Diesem Versuch sollte man die Laboruntersuchungen bald anschliessen, da eine längere Karenz die Resultate ändern kann.

  • Die teuren genetischen Tests sind wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten.

Hier ein (nicht von uns verschuldet, leider schlecht lesbares) Untersuchungsschema aus dem New England Journal of Medicine (2005;352(4):392-403), das unseren Empfehlungen weitgehend entspricht:

Was kann man gegen Zöliakie tun?

Es gibt nichts anderes, als die Weizeneiweisse streng aus der Ernährung zu entfernen. Wie oben erwähnt, trifft es auch Roggen und Gerste und viele Fertigprodukte, denen Weizeneiweiss beigemischt wird, z.B.: gebackene Bohnen, Fertigsaucen, Sojasauce, fertige Salatsaucen, Fertigsuppen, Marinaden, Schokoriegel, trocken gebratene Nüsse, gekühlte und gefrorene Produkte, verarbeitete Speckwürfel, Meerestiere, Fleisch und Geflügel, Süssholz (aus einer ausgezeichneten Übersicht über Zöliakie in englischer Sprache). Da die Zöliakie leider nicht selten ist, sind in allen grösseren Lebensmittelgeschäften, Supermärkten, Kaufhäusern spezielle Regale mit Brot und Backwaren für Zöliakie-Patienten. Im Internet kann man gluteinfreie Produkte z.B. hier bestellen.

Ein gutes Verzeichnis der nicht- und weizenfreien Nahrungsmittel finden Sie hier.

Es ist selbstverständlich vorteilhaft nicht zu warten bis sich die Schleimhaut und ihre Funktion erholt, sondern nachzuhelfen und die fehlenden Vitamine und andere Stoffe zu ersetzen. Da die Schleimhaut ihre Funktion nur allmählich wiedererlangt, reicht es nicht, diese Stoffe der Ernährung (in Form von Tabletten, Kapseln, usw.) beizugeben. Es ist vorteilhaft, sie, vor allem anfänglich, zu injizieren.

Warum trotzdem bei vielen Patienten die Beschwerden nicht ganz verschwinden

Vielleicht meiden sie nicht ganz die Weizenprodukte*. Der Hauptgrund dürfte jedoch sein, dass die geschädigte Darmschleimhaut vermehrt Stoffe aus anderen Lebensmitteln durchlässt und so entstehen Allergien auch auf andere Nahrungsmittel (s. oben). Solange man diese (mit Auslassen, Rotation, kinesiologisch) nicht behandelt, kann der Zustand nicht ganz bessern.

* Wussten Sie, dass Joghurt oft Weizeneiweiss als Gleitmittel enthält? Lehre: Trau keinem Fertigprodukt!

Wie lange muss man Weizeneiweiss meiden, die Ernährung anpassen?

Auch wenn die Magen-Darm-Störungen schon nach 1-2 Wochen bessern, oder sogar verschwinden können, braucht die Darmschleimhaut und der ganze Körper Monate bis Jahre zur Erholung. Es ist nicht klar, warum diese Frist verschieden ist. Wahrscheinlich wegen

  • erblicher (genetischer) Anlage

  • Verfassung und Zustand des Immunsystems

  • wozu auch andere Nahrungsmittelallergien beitragen (s. oben).

Manche Zöliakie-Patienten können nach Monaten, manche nach Jahren und manche nie etwas Weizen essen. Vielleicht ist es wieder auch von der Menge und Häufigkeit der Einnahme abhängig. Da die Bereitschaft nicht nur auf Weizen, sondern auf alle Lebensmittel mit Allergie zu reagieren bleibt, empfehlen wir die Rotation.

Welche Vorteile bringt die Bestimmung der Nahrungsmittel-IgG, die kinesiologische Untersuchung und die Rotationsernährung:

  • Durch die Bestimmung der Nahrungsmittel-IgG oder durch die NAET-Untersuchung erfasst man auch die begleitenden Allergien auf andere Lebensmittel. Wenn man dann diese Lebensmittel im Speiseplan berücksichtigt, beschleunigt und vertieft man die Behandlung.

  • Auch andere Lebensmittel, die man mit den üblichen Tests nicht festellt, können Zöliakie verursachen. 

  • Vieles deutet darauf hin, dass u. U. alle Nahrungsmittel Zeichen von Zöliakie hervorrufen können, die unter der versteckten Form beschrieben wurden (s. oben). Dazu gehören auch die bekannten Krankheiten mit sonst unbekannten Gründen wie Reizdarm, Verdauungsschwäche (Dyspepsie), Refluxkrankheit (Sodbrennen), Resorptionsstörungen der Vitamine, des Eisens, u. ä.

  • Vieles deutet darauf hin, dass alle Krankheiten, die mit dem Immunsystem zu tun haben (Asthma, Neurodermitis, Psoriasis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Rheuma, Multiple Sklerose, u. a.), durch Nahrungsmittelallergien mitverursacht werden und durch entsprechende Ernährung beeinflussbar sind. Die Zukunft wird uns diesbezüglich noch überraschen.

Welchen Nachteil hat die Bestimmung der Nahrungsmittel IgG:

Die Bestimmung ist relativ teuer und die Krankenkassen zahlen sie nicht. Die Informationen, die sie liefert sind für die Gesundheit der Menschen, die sie umsetzen können, jedoch sehr nützlich, von unbezahlbarem Wert. Der Vorteil der NAET-Methode ist, dass man mit ihrer Hilfe alle mögliche, nicht nur immunologisch bedingte Überempfindklichkeiten feststellen, diagnostizieren kann. Man kann sie anschliessend behandeln, sodass die Frist der Auslassung, der Entbehrung wesentlich kürzer ist und man erträgt dann (in mässiger Masse) die Nahrungsmittel, die vorher Schwierigkeiten bereiteten.

* Die Beobachtung und Erfahrung, dass Allergien und Unverträglichkeiten den psychischen und emotionellen Zustand beeinflussen können, wurde kürzlich bestätigt. Wenn man bei Ratten eine Allergie auf Eieiweiss Ovalbumin erzeugte, wurden sie ängstlicher und in gewissen Hirnbereichen wies man bei ihnen Änderungen nach. Nach der Behandlung verschwanden sowohl die Ängstlichkeit, wie die Änderungen. Es bedeutet nicht, dass sich Allergien und Unverträglichkeiten nur auf Angst auswirken können.

Zöliakie ist ein klares Beispiel einer nicht IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie.

Weitere Links: 

www.zoeliakie-treff.de/zoeliakie/index.php
www.celiac.com

www.hausarzt.ch/open/aerzte/zoeliakie.htm
, www.anke-und-chris.de/zoeliakie/frames.html, www.zoeliakie.ch/tagungen.html
http://www.glutenfrei24.de/4.html

Eine der letzten englischsprachigen fachlichen Übersichten: www.bcma.org/BCMJ/September2001/CeliacDiseaseReview.asp 

Falls Sie uns wieder besuchen möchten
(was uns unheimlich freuen würde)

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