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Letzte redaktionelle Änderung 22.5.07
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Zöliakie (Coeliakie,
Einheimische Sprue)
Bei Zöliakie reagieren die Betroffenen mit
verschiedenen Gesundheitsstörungen auf die Weizeneiweisse Gluten,
die auch Roggen, Gerste, Dinkel, Ur-Dinkel, Grünkern,
Hafer, Einkorn, Emmer und Kamut enthalten. Von
Natur aus glutenfrei sind Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth und
Buchweizen. Die Neigung zur Empfindlichkeit ist angeboren,
jedoch nicht alle Träger der Anlage werden krank. Ob sie sich
durchsetzt oder nicht, hängt vom Zustand des Immunsystems und
folgenden Umweltumständen ab:

-
Wie früh und wie
plötzlich werden in der Kindheit Weizen und weizenhaltige
Nahrungsmittel eingenommen. Je später und je allmählicher,
desto besser. Deswegen Stillen verschiebt und mildert die
Krankheit.
-
Je mehr und öfters Weizen gegessen wird,
desto schlimmer. Zu der steigenden Zahl der Zöliakiekranken
tragen nicht nur die besseren Kenntnisse und diagnostischen Möglichkeiten
bei, sondern auch die Züchtung von besonders eiweissreichen
Weizensorten. Während die ursprünglichen um 5% Eiweiss
enthalten, sind es bei den neuen Sorten gegen 20%. Der Grund ist
nicht nur ihr hoher Nährwert, sondern auch der bessere
Geschmack des Brotes.
Die Allergie ändert die Dünndarmschleimhaut: sie
wird dünner und schwächer, wodurch sie ihre Aufgaben schlecht erfüllt.
Sie nimmt gewisse Stoffe weniger auf. Die nicht aufgenommenen
Stoffe, wie Vitamine, Eisen, Kohlenhydrate
(u.a. Milchzucker – Laktose) und Fette, fehlen dem Körper, was zu
Mangelerscheinungen führt. Nicht aufgenommen, gelangen sie in den für
sie ungewohnten Dickdarm, werden von Dickdarmbakterien
verstoffwechselt und verursachen Verdauungsstörungen - Blähungen,
fetthaltige Durchfälle oder Verstopfung. Auf der anderen Seite lässt
die geschädigte Dünndarmschleimhaut manche Stoffe, wie unverdaute
Eiweisse und ihre Bruchstücke, vermehrt durch. Sie sind
immunologisch aktiv und verschlimmern die bestehenden Unverträglichkeiten
und Allergien und verursachen neue.
Bei dem Kontakt mit dem
Weizeneiweiss Gluten produziert die Dünndarmschleimhaut der Zöliakie-Patienten
ein Eiweiss, sog. Zonulin, das ihre Durchlässigkeit steigert.
Somit gelangt eine noch grössere Menge von Gluten in das
Immunsystems des Darmes.
Dort wird es vom Enzym Transglutaminase sog. deaminiert (verliert
die Aminogruppe) und dient so den Immunzellen als Antigen, gegen das
sie die IgG-Antikörper bilden. Der krankhafte Verlauf beginnt und
verstärkt sich.
Das Zonulin steigert auch die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schränke,
was die krankhaften Zeichen der Zöliakie seitens des Nervensystems,
vielleicht auch anderer Organe mindestens teilweise erklärt*.
Einen ähnlichen Prozess kann man auch bei Unverträglichkeiten, die
von der Erhöhung der IgG anderer Lebensmittel begleitet sind,
vermuten. Sicher ist, dass die erhöhte Nahrungsmittel-IgG-Menge
zeigt, dass zu viel des Lebensmittels das Immunsystem durch die
Darmschleimhaut erreicht hat.
Dadurch ist auch klar, warum die Zöliakie von
anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten
begleitet wird und das Auslassen von Gluten aus der Nahrung den
Zustand meistens nicht ganz bessert.
Wann soll man an Zöliakie
denken, welches sind Anzeichen dafür
Es gibt drei Formen der Zöliakie: offene,
versteckte und latente.
Offene: Die Kinder, manchmal schon zugefütterte
Säuglinge leiden unter Blähungen,
Durchfall, haben grosse Bäuche, gedeihen schlecht, wachsen
verlangsamt. Erwachsene haben Verdauungsstörungen, Blähungen
und Durchfälle, die mit verschiedenen anderen Störungen wie Aphten
(Mundblasen) Blut- und Vitaminmangel, Knochenschwäche,
Unfruchtbarkeit, und allgemein schlechtem körperlichem und
psychischem Zustand einhergehen können.
Versteckte (oligosymptomatische):
die Verdauungsstörungen stehen nicht im Vordergrund, sie können
sogar ganz fehlen. Die Patienten leiden unter einer oder mehreren
Folgen der Mangelzustände (Blutarmut, Vitaminmangel, Knochenschwäche,
Knochenschmerzen, Unfruchtbarkeit, Impotenz, Untergewicht,
Schwäche), Zahnproblemen, unklaren
neurologischen und psychischen Störungen*. Vor
allem diese Form wird oft lange übersehen.
Ein Beispiel neurologischer Störungen, die durch Zöliakie
verursacht werden können, ist die sog. Ataxie (Gangunsicherheit).
Vor Kurzem wurde auch ein Fall von wiederholter Gesichtsnervlähmung
beschrieben
(Facialisparese), die erst nach gluteinfreier Ernährung verschwand.
Jeder zehnte Schizophreniepatient leidet unter Zöliakie (in der
Durchschnittsbevölkerung jeder hundertste).
Man soll bei allen Formen der Zöliakie
die Blutwerte von Ferritin (Eisenvorräte),
Vitamin B12 und Folsäure
kontrollieren, da ihre Aufnahme, wie oben erwähnt, beeinträchtigt
werden kann und ihr Mangel verschiedene Beschwerden verursacht.
Umgekehrt ist es bei Mangel an diesen Stoffen angebracht, an Zöliakie
oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeit
als Grund zu denken.
Eine Hautkrankheit, Dermatitis herpetiformis
Duhring, ist wie Zöliakie eine Weizenallergie. Sie kann mit
anderen Zöliakie-Zeichen oder nur als solche vorkommen. Dann gehört
sie zu der versteckten Form.
Die relativ häufige Milchzuckerunverträglichkeit
ist nicht selten durch Zöliakie verursacht und deswegen soll
man bei ihrem Vorkommen mit dem neuen Bluttest (s. unten) nach Zöliakie
suchen.
Latente (potentielle,
mögliche): es sind Patienten, die nach der Therapie keine
Beschwerden mehr haben und Verwandte von Zöliakie-Patienten, die
nur labormässig zur Zöliakie gehören, aber (noch) keine Zeichen
der Krankheit haben, unter der Krankheit (noch) nicht leiden. Wenn
sie jedoch grössere Mengen weizenhaltiger Nahrungsmittel
konsumieren, steigt die Wahrscheinlichkiet, dass sie auch erkranken.
Eigentlich sollte man nahe Verwandte von Zöliakie-Patienten
untersuchen (s.u), ob sie die Neigung, diese Krankheit zu
entwickeln, geerbt haben.
Mit Zöliakie sind oft Autoimmunkrankheiten
verbunden, bei denen die gestörte Immunabwehr eine Rolle
spielt, wie gewisse Formen der Zuckerkrankheit, Schildrüsenentzündungen,
Leberentzündungen, Nierenstörungen, rheumatische Krankheiten (Sjögren
Syndrom), aber auch solche, bei denen wir bisher meinen, das
Immunsystem sei kaum einbezogen, wie Schizophrenie (eine psychische
Erkrankung).
Mütter mit Zöliakie sollen ihre Kinder möglichst
lange stillen (6-8 Monate) und möglichst
spät und wenig Kuhmilch und
Milchprodukte in die Nahrung einführen, zeigte eine
Studie.
Wie weiss man, ob jemand unter Zöliakie
leidet?
Man kann die Zöliakie mit verschiedenen Methoden
nachweisen:
-
Durch
mikroskopische Untersuchung der Dünndarmschleimhaut. Zur
Entnahme der Probe muss man die Magen-Zwölffingerdarm
Spiegelung durchführen. Das Ergebnis ist von der Erfahrung des
Untersuchers abhängig. Ob deswegen oder aus anderen Gründen,
gibt es Fälle, bei denen diese Untersuchung versagt.
-
Es gibt mehrere
Untersuchungen des Blutes. Die neueste (Gewebe-Transglutaminase-Antikörper)
soll die zuverlässigsten Ergebnisse bringen und ist noch die
preisgünstigste dazu. Man soll nur sie verwenden.
-
Die Aufnahme und
damit die Ausscheidung von vielen Stoffen im Urin ist bei Zöliakie
benachteiligt. Als Prüfung dieser Funktion dienen die Zucker
Xylose und Laktose (Milchzucker).
Diese Tests sind auch bei anderen Störungen der Darmfunktion
verändert und damit nicht nur für Zöliakie charakteristisch
-
Schon 1-2 Wochen
nach Weglassen des Weizeneiweisses aus der Ernährung bessern
die Magen-Darm Beschwerden. Diesem Versuch sollte man die
Laboruntersuchungen bald anschliessen, da eine längere Karenz
die Resultate ändern kann.
-
Die teuren genetischen Tests sind
wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten.
Hier ein (nicht von uns verschuldet, leider schlecht lesbares)
Untersuchungsschema aus dem New England Journal of Medicine
(2005;352(4):392-403), das unseren Empfehlungen weitgehend
entspricht:


Was kann man gegen Zöliakie
tun?
Es gibt nichts anderes, als die Weizeneiweisse
streng aus der Ernährung zu entfernen. Wie oben erwähnt, trifft es
auch Roggen und Gerste und viele Fertigprodukte, denen Weizeneiweiss
beigemischt wird, z.B.: gebackene Bohnen, Fertigsaucen, Sojasauce,
fertige Salatsaucen, Fertigsuppen, Marinaden, Schokoriegel, trocken
gebratene Nüsse, gekühlte und gefrorene Produkte, verarbeitete
Speckwürfel, Meerestiere, Fleisch und Geflügel, Süssholz (aus
einer ausgezeichneten Übersicht
über Zöliakie in englischer Sprache). Da die
Zöliakie leider nicht selten ist, sind in allen grösseren
Lebensmittelgeschäften, Supermärkten, Kaufhäusern spezielle
Regale mit Brot und Backwaren für Zöliakie-Patienten. Im Internet
kann man gluteinfreie Produkte z.B. hier
bestellen.
Ein gutes
Verzeichnis der nicht- und weizenfreien Nahrungsmittel finden Sie hier.
Es ist selbstverständlich vorteilhaft nicht zu
warten bis sich die Schleimhaut und ihre Funktion erholt, sondern
nachzuhelfen und die fehlenden Vitamine und andere
Stoffe zu ersetzen. Da die Schleimhaut ihre Funktion nur allmählich
wiedererlangt, reicht es nicht, diese Stoffe der Ernährung (in Form
von Tabletten, Kapseln, usw.) beizugeben. Es ist vorteilhaft, sie,
vor allem anfänglich, zu injizieren.
Warum trotzdem bei vielen
Patienten die Beschwerden nicht ganz verschwinden
Vielleicht meiden sie nicht ganz die
Weizenprodukte*. Der Hauptgrund dürfte jedoch sein, dass die geschädigte
Darmschleimhaut vermehrt Stoffe aus anderen Lebensmitteln durchlässt
und so entstehen Allergien auch auf andere Nahrungsmittel (s. oben).
Solange man diese (mit Auslassen, Rotation,
kinesiologisch) nicht behandelt, kann der
Zustand nicht ganz bessern.
* Wussten
Sie, dass Joghurt oft Weizeneiweiss als Gleitmittel enthält? Lehre:
Trau keinem Fertigprodukt!
Wie lange muss man Weizeneiweiss
meiden, die Ernährung anpassen?
Auch wenn die Magen-Darm-Störungen schon nach 1-2
Wochen bessern, oder sogar verschwinden können, braucht die
Darmschleimhaut und der ganze Körper Monate bis Jahre zur Erholung.
Es ist nicht klar, warum diese Frist verschieden ist. Wahrscheinlich
wegen
-
erblicher
(genetischer) Anlage
-
Verfassung und
Zustand des Immunsystems
-
wozu auch andere Nahrungsmittelallergien
beitragen (s. oben).
Manche Zöliakie-Patienten können nach Monaten,
manche nach Jahren und manche nie etwas Weizen essen. Vielleicht ist
es wieder auch von der Menge und Häufigkeit der Einnahme abhängig.
Da die Bereitschaft nicht nur auf Weizen, sondern auf alle
Lebensmittel mit Allergie zu reagieren bleibt, empfehlen wir die Rotation.
Welche Vorteile bringt die
Bestimmung der Nahrungsmittel-IgG, die kinesiologische Untersuchung
und die Rotationsernährung:
-
Durch die Bestimmung
der Nahrungsmittel-IgG oder durch die NAET-Untersuchung
erfasst man auch die begleitenden Allergien auf andere
Lebensmittel. Wenn man dann diese Lebensmittel im Speiseplan berücksichtigt,
beschleunigt und vertieft man die Behandlung.
-
Auch andere
Lebensmittel, die man mit den üblichen Tests nicht festellt, können
Zöliakie verursachen.
-
Vieles deutet
darauf hin, dass u. U. alle Nahrungsmittel Zeichen von Zöliakie
hervorrufen können, die unter der versteckten Form beschrieben
wurden (s. oben). Dazu gehören auch die bekannten Krankheiten
mit sonst unbekannten Gründen wie Reizdarm,
Verdauungsschwäche (Dyspepsie), Refluxkrankheit
(Sodbrennen), Resorptionsstörungen der Vitamine, des Eisens,
u. ä.
-
Vieles deutet darauf hin, dass alle
Krankheiten, die mit dem Immunsystem zu
tun haben (Asthma, Neurodermitis, Psoriasis, Colitis
ulcerosa, Morbus Crohn, Rheuma, Multiple
Sklerose, u. a.), durch Nahrungsmittelallergien
mitverursacht werden und durch entsprechende Ernährung
beeinflussbar sind. Die Zukunft wird uns diesbezüglich noch überraschen.
Welchen Nachteil hat die Bestimmung
der Nahrungsmittel IgG:
Die Bestimmung ist relativ teuer und die
Krankenkassen zahlen sie nicht. Die Informationen, die sie liefert
sind für die Gesundheit der Menschen, die sie umsetzen können,
jedoch sehr nützlich, von unbezahlbarem Wert. Der Vorteil der NAET-Methode
ist, dass man mit ihrer Hilfe alle mögliche, nicht nur
immunologisch bedingte Überempfindklichkeiten feststellen,
diagnostizieren kann. Man kann sie anschliessend behandeln, sodass
die Frist der Auslassung, der Entbehrung wesentlich kürzer ist und
man erträgt dann (in mässiger Masse) die Nahrungsmittel, die
vorher Schwierigkeiten bereiteten.
* Die
Beobachtung und Erfahrung, dass Allergien und Unverträglichkeiten
den psychischen und emotionellen Zustand beeinflussen können, wurde
kürzlich bestätigt.
Wenn man bei Ratten eine Allergie auf Eieiweiss Ovalbumin erzeugte,
wurden sie ängstlicher und in gewissen Hirnbereichen wies man bei
ihnen Änderungen nach. Nach der Behandlung verschwanden sowohl die
Ängstlichkeit, wie die Änderungen. Es bedeutet nicht, dass sich
Allergien und Unverträglichkeiten nur auf Angst auswirken können.
Zöliakie ist ein klares
Beispiel einer nicht IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie.
Weitere Links:
www.zoeliakie-treff.de/zoeliakie/index.php
www.celiac.com
www.hausarzt.ch/open/aerzte/zoeliakie.htm, www.anke-und-chris.de/zoeliakie/frames.html,
www.zoeliakie.ch/tagungen.html
http://www.glutenfrei24.de/4.html
Eine der letzten
englischsprachigen fachlichen Übersichten: www.bcma.org/BCMJ/September2001/CeliacDiseaseReview.asp
Falls
Sie uns wieder besuchen möchten
(was uns unheimlich freuen würde)
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