Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
Anmeldung T: 071 250 15 18 Fax: 071 250 15 19 E-mail: Peter.J.Marko@hin.ch


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Letzte redaktionelle Änderung 5.11.2006

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Blähungen 

oder wie man essen soll*

 

Kurzfristige Blähungen deuten auf einen Ernährungsfehler hin, der zu Verdauungsstörung und Ungleichgewicht der Darmbakterien führt. Bei längerfristigen Blähungen sind die Begleitumstände wichtig: Schmerzen, Koliken, Stuhlunregelmässigkeiten, Gewichtsverlust, Müdigkeit. Sie sind Anlass zur ärztlichen Untersuchung. Wenn der Arzt Infektionen, Entzündungen und Krebserkrankung des Magen-Darm-Traktes, Störungen der Bauchpeicheldrüse, Leber und der Gallenwege ausschliesst, kommen Nahrungsmittelunverträglichkeiten im engen Sinne des Wortes in Frage. Die häufigste ist die Laktose (Milchzucker) - Unverträglichkeit. Dabei produzieren die Darmzellen eine ungenügende Menge des Enzyms, das die Laktose in ihre zwei resorbierbaren Bestandteile (Glukose und Galaktose) spaltet. Die nicht gespaltene Laktose gelangt in den Dickdarm, wird dort von Bakterien verwertet, wobei vermehrt Gas und andere darmreizende Stoffe entstehen. Diese Bakterien können dann sogar in die unteren Teile des Dünndarmes durchdringen, wo sie sonst nichts zu suchen haben und noch mehr Beschwerden verursachen. Ähnlich ist es bei der selteneren Fruchtzuckerintoleranz und bei Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Sorten von Darmbakterien, wie es durch Antibiotika und Ernährungsfehler (einseitige Ernährung vor allem mit zuckerhaltigen Nahrungsmitteln) entstehen kann.

Wenn sowohl Darmentzündungen wie Intoleranzen im engen Sinne ausgeschlossen werden, bleiben verschiedene Ursachen der Blähungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten im breiten Sinne des Wortes.

 

Die Ursachen:

  1. Mangelndes Kauen. Die Verdauung beginnt durch die Enzyme aus dem Speichel bereits im Mund, und wenn die Speisen hier gründlich zerkleinert und zermalmt werden, erleichtert es ihre weitere Verarbeitung in den tieferen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes. Je besser verdaut, desto leichter werden die Bestandteile aus dem Darm ins Blut aufgenommen, und desto weniger Reste bleiben für das Wachstum der Bakterien, für die Störung ihrer Zusammensetzung, deren Folgen oben bei der Laktoseintoleranz geschildert wurden. Je länger wir den Geschmack einer Speise spüren, desto besser weiss der weitere Teil des Magen-Darm-Traktes, welche Säfte er für deren Verdauung bereitstellen soll. In der Regel soll man jeden Biss ca. 30 Mal kauen, was selbstverständlich auch von dessen Zusammensetzung abhängt: je komplexer, härter, desto mehr. Das Kauen ist auch bei den leider immer häufigeren Essstörungen sehr wichtig!

  2. Man soll gemischt, nicht einseitig essen: Jede grössere Mahlzeit (möglichst auch kleinere Zwischenmahlzeiten) sollen aus allen drei mengenmässig Hauptbestandteilen, aus Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten bestehen (wie Sie sehen, sind wir keine Anhänger von Trennkost). Überwiegen die einfachen Kohlenhydrate (.z. B. isst man nur Früchte) wird eine Art der Bakterien, eventuell auch Pilzen vermehrt wachsen. Essen wir nur Eiweiss (Fleisch, Käse, Eier) wachsen Bakterien, die die Bestandteile der Eiweisse, die Aminosäuren, für ihr Wachstum brauchen. Diese Folgen haben wir unter " Über Ernährung und Stuhl(gang), Stuhlbakterien, Antibiotika und Krankheiten" und "Darmbakterien" beschrieben. Wenn man sehr viel Fett ohne genügend Kohlenhydrate und Eiweisse isst, geschieht etwas Ähnliches wie während der Bauchspeicheldrüsenunterfunktion und unter dem Medikament Xenical - das nicht verdaute Fett bindet sich mit Kalzium, und so entstehen blähungen- und durchfallerzeugende Seifen.

  3. Die Früchte sind süss, weil sie einfache Zucker enthalten. Diese können, vor allem in grösseren Mengen verspiesen, zu Gärungen führen, wie wir es in P. 1 beschrieben haben. Deswegen sollten sie nicht nach einer Mahlzeit (z. B. als Dessert) konsumiert werden, sondern mindestens 1/2 Stunde vorher. Sie werden dann schneller verdaut als der Rest der Mahlzeit, verweilen nicht lange im Magen, können problemlos verstoffwechselt werden, da sie sich nicht mit den anderen Bestandteilen der Mahlzeit mischen. 

  4. Aus dem oben genannten Grund sollen verdauungsempfindliche Menschen (und das sind die mit Blähungen und Magenproblemen) sogar Früchte 30-60 Min. vor (und nicht  mit) den Getreideflocken (z.B. Birchermüsli) essen. Ein anderer Grund dafür ist, dass die Fruchtsäuren die optimale, nötige Verdauung der Kohlenhydraten durch das Enzym Amylase aus Speichel verhindern. Dasselbe gilt auch für Essig im Salat (s.P. 14).

  5. Nach 17,00 Uhr soll man keine Früchte mehr essen, damit man die Verdauung während der Nacht nicht durch eine eventuelle Gärung erschwert.

  6. Der Salat enthält (ähnlich den Fruchtschalen) sehr viele Zellulosefasern. Im Unterschied zu Rindern kann diese das menschliche Magen-Darm-System nicht völlig verdauen, was trotzdem gesund ist, da dadurch die Darmtätigkeit gefördert, die Resorbtion von einfachen Zuckern verzögert wird. Die Fasern binden viele schädliche Stoffe, und tragen so zu ihrer Ausscheidung im Stuhl bei - sie helfen den Körper entgiften. Man soll deswegen aber Salat am Anfang der Mahlzeit (nach den Früchten) essen, da seine Vermischung mit den anderen Bestandteilen der Mahlzeit im Magen ihre Verdauung erschwert.

  7. Man soll keine grossen üppigen Mahlzeiten (ausser ausnahmsweise bei Festen) essen, da die Verdauung begreiflicherweise mühsam und nicht komplett sein kann. Die Reste gelangen in den Dickdarm mit den oben genannten Folgen.

  8. Man soll während der Mahlzeit möglichst keine Flüssigkeit trinken, da man dabei, wie beim Kauen von Kaugummi vermehrt Luft schluckt. Aus diesem Grunde sollte man eigentlich nur zwischen den Mahlzeiten und zu kleinen Zwischenmahlzeiten trinken.

  9. Man soll auch nicht vor und unmittelbar nach dem Essen trinken, da man damit die Verdauungssäfte im Magen verdünnt und wegspült, somit die Verdauung erschwert und die Blähung begünstigt.

  10. Wenn man unter Blähungen leidet soll man auch kohlensäurehaltige Mineralwasser meiden. (Ein gesundheitsbewusster Mensch trinkt keine Süsswasser, oder?)

  11. Vorsicht mit Tiefkühlkost. Das Tiefkühlen ändert die komplexen Kohlenhydrate in eine wenig verdauliche Form.

  12. Die Verwendung von Antibiotika ist eine nicht seltene Ursache für die Störung des normalen Gleichgewichtes zwischen den verschiedenen Darmbakterien und für das vermehrte Wachstum der Pilze. Die normalen Verhälnisse werden üblicherweise von selbst durch ausgewogene Kost wieder hergestellt. Wenn nicht, kann man mit Joghurt**, noch besser mit Sauerkraut oder mit gewissen Bakterienpräparaten nachhelfen. Die "Antipilzdiät"*** für 2-3 Wochen unterstützt und beschleunigt diese Bemühungen. Bei Versagen, kann man die notwendige Wiederholung mit Antipilzmedikamenten einleiten.

  13. Chronische Magenentzündung oft als Folge der Helicobacter pylori-Infektion und und manche Medikamente (Protonempumpenhemmer) hemmen die Ausscheidung der Magensäure, was zur verminderten Verdauung der Speisen in Magen und zu Blähungen führen kann.

  14. Essig als ein Gährungsprodukt enthält viel Histamin und verursacht häufig Blähungen und Koliken. Man denkt nicht an den Essig in den Salatsaucen als Ursache und schiebt es anderen Speisen zu. Es ist ein Beispiel der unentdeckten, da milden Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Man soll an sie denken, wenn man Probleme mit Fertigprodukten oder im Restaurants mit Speisen bekommt, die man zu Hause gegessen problemlos verdaut. Die andere Möglichkeit ist, dass man unter einer unten ausgeführten Zusatzstoffallergie leidet. Einen anderen Grund, warum Essig Blähungen verursacht s. P. 4.

Je nach dem wie man Speisen zubereitet, kann für die Entstehung und den Verlauf der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und –allergien entscheidend sein. Kochen, Braten, Einfrieren, Trocknen, Einsalzen, Rösten, Räuchern kann die Reaktion sowohl begünstigen wie mindern.

Die Einhaltung dieser Regel und die dadurch erleichterte Verdauung beugt Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor und hilft sie aus folgenden Gründen heilen:

  1. Es bleiben weniger unverdaute Reste, die durch die Darmwand gelangen, das Abwehrsystem unvorteilhaft beeinflussen und dadurch Nahrungsmittelunverträglichkeiten hervorrufen können.

  2. Die nicht überlastete, nur kurz durch Verdauung beanspruchte Schleimhaut lässt weniger unverdaute Reste in das Abwehrsystem des Magen-Darm-Sytems.

  3. Diese Art von Essen vermeidet sowohl die allgemeine wie die lokale, durch zu viel Gärung verursachte, Übersäurung im Darm. Die Übersäureng schwächt das Immunsystem. Die lokale Übersäurung erhöht noch dazu direkt und durch übermässiges Candida-Wachstum die Aufnahme der schädlichen unverdauten Reste der Nahrung in das Abwehrsystem.

Die Leistungsfähigkeit des Magen-Darm-Traktes lässt, ähnlich anderen Organen, mit den Jahren nach, der Grund, warum man sich mit fortgeschrittenem Alter an diese Regel eher halten soll, will man nicht nur eine unbeschwerte Verdauung, Schlaf und bessere Leistung haben.

Wenn man die obenerwähnte Ursachen ausschliesst, die entsprechenden Massnahmen keine oder nur teilweise Besserung bringen, muss man an Nahrungsmittelunverträglichkeiten im breiten Sinne des Wortes oder Nahrungsmittelallergien denken. Dafür kommen praktisch alle Nahrungsmittel und Zusatzstoffe in Frage. Will man die Zusatzstoffe als Grund für Blähungen ausschliessen, soll man nur frische Lebensmittel, möglichst aus biologischem Anbau, höchstens tiefgekühlt (aber P. 10 beachten), konsumieren.

Welche Nahrungssmittel und wie oft sich an der Entstehung des Reizdarmes beteiligen, erfahren Sie unter „Nahrungsmittel und Reizdarm“. Diese Angaben gelten ungefähr auch für Blähugen und andere Beschwerden.

Von den natürlichen Nahrungsmitteln können vor allem Getreide, Milch- und Milchprodukte, Soja, Nüsse (Erdnüsse besonders häufig!), Eier, Schokolade, Fische,  aber praktisch alles, was wir oft (und gerne!) essen und trinken,  unverträglich sein/werden. Vorsichtig muss man auch mit pflanzlichen, faserreichen Medikamenten und Kleie sein, wenn man sie über längere Zeit für die Darmtätigkeitsregulation verwendet - sie können selbst Unverträglichkeiten mit Blähungen und anderen unangenehmen Erscheinungen hervorrufen! Wie man sieht, handelt es sich eher um Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs und (besonders einseitiger) Vegetarismus schützt nicht vor gesundheitlichen Problemen oder Krankheiten.

Bauchschmerzen bei Säuglingen (Dreimonatskoliken) und Kleinkindern werden oft durch die Nahrungsmittel verursacht, die das Kind oder die stillende Mutter zu sich nimmt, berichtet eine Fachzeitschrift für Hausärzte.

Als ein Beispiel für diese Art von Nahrungsmittelallergie dient die Weizen(eiweiss)unverträglichkeit, sog. Zöliakie oder einheimische Sprue, die schon bei Kindern zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann. Ähnlich ist es mit Milch, die schon bei Kindern Verdauungstörungen in Form von Erbrechen, Blähungen, Stuhlunregelmässigkeiten verursacht.

Wie können wir erfahren welche Lebensmittel uns die Blähungen bescheren? Wir können beobachten, nach welchen Nahrungsmitteln wir die Beschwerden bekommen. Dies ist manchmal nicht leicht, da mehrere Nahrunhssmittel schuldig sein können. Verschiedene Rotationspläne erleichtern uns dieses Unternehmen. Direktere Auskunft gibt uns die NAET-Methode oder die Bestimmung der Nahrungsmittel-IgG

* In der Fachzeitschrift "Schweizerisches Medizin-Forum" ist erschienen eine auch für Laien geeignete Arbeit von Hartmeier SH und Fried M (Direktor der Gastroenterologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich): "Flatulenz" - Abklärung und Therapie", Schweiz Med Forum 2001;1(20):532-6, die im Archiv unter www.medicalforum.ch im Volltext abrufbar ist. Von dort haben wir manche Angaben übernommen. Als andere Quellen dienten unser Gesprächsforum und viele andere Zeitschriftenartikel und Bücher wie auch die eigene Erfahrung.

** Dafür bitte keine Fruchtjoghurte verwenden, da diese nicht nur den Zucker aus den Früchten, aber zusätzlich noch die Menge von 5-7 Zuckerwürfel enthalten. In den gekauften Joghurts sind die Bakterien nicht selten durch den Fertigungsprozess weitgehend zerstört, deswegen am besten dazu selbst Joghurt zubereiten: entweder in dem nicht ausgewaschenen Behälter die Milch gären lassen, oder in Reformhäusern die Joghurt-Bakterien kaufen und der Milch zusetzten.

*** Keine süsse Speisen und Getränke,  keine Gärungsprodukte (alkoholische Getränke, Essig, Sauerkraut und Joghurt, Brot, Kuchen schon wegen der einfachen Zucker sowieso nicht), nur wenig Obst. (dazu s.o.). Viele faserreiche, komplexe Kohlenhydrate aus Salat, Gemüse, Vollkorngetreide. Pflanzen als Eiweissquelle vorziehen.

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