Gesund durch Essen
Ernährungsberatung und NAET-Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten
Dr. med. Peter Marko, 
Heinestrasse 26, CH-9008 St.Gallen 
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Letzte Redaktionsänderung 12.9.2002

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Die Abmagerungskur oder wie ich fast Anorexia wurde

"Du wirst, wie auch ich, nie dick werden", pflegte mein Vater zu sagen. Ausser eines Onkels mütterlicherseits war in der Familie niemand übergewichtig. Dreissigjährig sprang ich mit nicht ganz siebzig Kilo bei hunderteinundachtzig Zentimetern (d.h. mit damals noch nicht gebräuchlichem BMI  knapp oberhalb der Normgewichtsgrenze) über den eisernen Vorhang. Auf der anderen Seite gelandet, stillte ich während der nächsten fünf Jahre meine Neugier und mein Bedürfnis nach all den guten bisher nicht gekannten Speisen oder oder solchen, die man sich finanziell nicht erlauben konnte, wie verschiedenen Käse- und Fleischsorten, Schokolade, Bananen und brachte bald achtzig Kilo auf die Waage. Dann warfen mich Salmonellen aus einem während einer Woche im Kühlschrank aufbewahrten Hühnchen auf mein ursprüngliches Gewicht zurück. Es war der letzte Tropf, der mein Junggesellendasein zum Überlaufen brachte. Während den Ferienreisen lernten wir neue Speisen kennen, gern haben (meistens ich) und zuzubereiten (nur meine Frau). So begann ich nach dem Englandbesuch den Tag nicht selten mit Speck und Eiern. Wenn man schon im täglichen Leben stark belastet ist, sollte es an gutem Essen nicht fehlen. Ich bekam so oft wie möglich meine Lieblingsgerichte aufgetischt und nach jedem Mittagessen durfte Dessert nicht fehlen. Zur Entspannung klang der Abend mit einem Glas Bier oder Wein aus. In den Restaurants suchten wir möglichst erlesene Speisen aus. 

Meine Hemden, Jacken, Hosen wurden dauernd etwas enger. Klar, mit dem Alter richten sich die Rippen auf, und der Brustkorb verbreitet sich dadurch. Meine Frau machte mich ab und zu darauf aufmerksam, dass mir das Fett über den Gurt zu quellen beginne. Eben, auch die Haut wird weniger elastisch und bildet leichter Wulste. Als ich ihn auf dem Rücken liegend betrachtete, war der Bauch aber doch flach auf der Ebene des Brustbeines. Ich dachte, es sei nur Sache des Standpunktes und beruhigte sie, oder mich, mit den mit den Worten meines Vaters, die ich anfangs erwähnte.. 

Es war immer mühsamer in der Zeitnot schnell zu den Zügen zu laufen und etliche Male fuhr mir das Tram vor der Nase weg. Nach dem Restaurantbesuch während der Ferien kletterte ich in unsere Wohnung mit schwerem Atem und nötigen Pausen den Berg hinauf und wünschte, die Lage wäre umgekehrt, ich könnte zuerst mit leerem Magen hinauf ins Restaurant laufen und dann mit vollem, rundem Leib leichter runter in die Wohnung kugeln. Offensichtlich meldete sich bei mir schon die Altersherzschwäche. Als ich den neuen Handgelenk-Blutdruckmesser für die Praxis kaufte, probierte ich geschwind stehend, ob er funktionierte. Unmöglich, ich, der immer einen normalen Blutdruck hatte, sollte plötzlich 105 diastolisch haben?! Ich setzte mich zum Tisch und mass den Blutdruck mit dem üblichen Gerät nochmals - er war normal. Ich muss diesen neuen Mist rückschicken! Ich besann mich, doch den Blutdruck nochmals mit dem neuen Gerät zu messen - der Wert war sitzend normal. Sicherheitshalber wiederholte ich die Messung stehend mit dem alten Gerät. Ergebnis: 105 diastolisch. Es war klar -  ich litt unter Hyperkinesie. In der Tat, ab und zu eine kleine Dosis eines Betablockers besserte den Blutdruck für eine gute Weile.

Während der nächsten Weihnachtsskiferien in den österreichischen Bergen genoss ich wieder einmal alle die aus der Kindheit bekannten Mehlspeisen und andere Spezialitäten. Wie allgemein bekannt, ist die österreichische Küche nur eine Mischung aus ungarischen und tschechischen Speisen auf solider slowakischer Grundlage. Als Kind habe ich all diese Köstlichkeiten selten bekommen, jetzt mehrmals täglich. Als ich die Skistiefel schliessen musste, konnte ich mich, nicht wegen Rückenschmerzen, kaum biegen, und mein Freund musste immer wieder warten, bis ich ihn am Hang folgen konnte. Nach Hause zurückgekehrt wog ich zweiundneunzig Kilo. Jetzt reichte es mir, es musste etwas geschehen!

Wegen ihrer Kopf- und Knieschmerzen sowie Knoten in der Brust berührte meine Frau schon seit Jahren keine Süssigkeiten, keinen Kaffee, Alkohol und Fleisch mehr. Letzteres auch aus Liebe zu den Tieren und dem Wunsch, selbst etwas gegen die Zerstörung der Umwelt zu tun. Anfangs wies ich sie auf diesen "grün-komplementären" Weg, aber inzwischen suchte sie erfolgreich neue Pfade, und so begann sie im Kampf gegen ihre Allergien sogar zu rotieren, d.h. sie ass nur einfache, klar und übersichtlich zusammengestellte Speisen und kein Lebensmittel öfters als in einem Abstand von vier Tagen. Entgegen der üblichen Meinung auch mancher Allergieexperten wird die Ernährung durch diese strenge Regel nicht ärmer, sondern vielfältiger. Stellen Sie sich vor, man kann Brot nur jeden fünften Tag essen - notgedrungen muss man für jeden der restlichen drei Tage einen anderen Ersatz finden. Ein Stück weit begleitete ich sie bereits dabei. Zu ihren ständig wechselnden Salaten, Gemüsen und Beilagen bekam ich aber weiterhin meine Sossen und mein Fleisch, zu den Zwischenmahlzeiten die mit Fleisch oder Käse belegten Brötchen oder einen Kuchen und trank weiterhin mein geliebtes Bier oder ein Glas Wein. Die beschränkte "Mitrotation" merkte ich somit  kaum. 

Jetzt war aber Schluss damit! Ich begann konsequent und vegetarisch mitzurotieren. Ich ass regelmässig, fünf- bis sechsmal pro Tag, damit sich der Hunger nie meldete, da er ähnlich dem Alkohol den Willen bricht und den Weg zum Ziel erschwert. Als Zwischenmahlzeiten nahm ich Obst, rohes Gemüse (Kohlraben, Karotten, Radieschen, Blumenkohl - schmeckt vorzüglich, und oh Wunder, ich bekam dadurch weder grosse Ohren noch Hasenzüge) oder verschiedene Getreidewaffeln und -fladen. Reiswaffeln kann man fertig kaufen, und die anderen, aus Mais, Buchweizen, Hirse und Kartoffeln buk meine Frau je nach Rotationsschema. Ich ass auch nur so viel, wie es nötig war, den Hunger vom Leibe zu halten, und nicht wie viel ich mochte. Damit gewöhnte ich mich leichter an die neuen einfachen, "reinen" Speisen und begann wieder ihren guten Geschmack zu schätzen. Eigentlich alle die Beilagen, Sossen, Majonäsen und raffinierten Gewürzmischungen verdarben ihn nur. Anfangs, um Entzugserscheinungen zu vermeiden, schnitt ich mir ab und zu, am Tag des Schweines doch drei "Schnifeli" der geliebten Wurst, welche ich aus Italien mitbrachte. Ich hielt es vielleicht auch deswegen aus, da ich aus den Kriegszeiten gewohnt war, mich einzuschränken. Damals als Kind genoss ich eine Tafel Schokolade, die ich weiss Gott wie erhalten hatte, monatelang in kleinen Brocken. Jetzt trieb mich aber nicht die äussere Not, nein, aus freien Stücken hatte ich mich dazu entschlossen wegen des hehren und nützlichen Ziels, wegen der Gewichtsabnahme! In der Tat, ich schmolz langsam. Nach einem Monat war ich bereits um drei Kilo leichter. Bei Einladungen und anderen Anlässen ass ich noch, was angeboten wurde. Als ich jeweils am nächsten Tag auch wegen der (zu) gut gesalzenen Speisen und der zurückgehaltenen Flüssigkeit um ein, zwei Kilo schwerer wurde, die ich erst während Tagen wieder mühsam verlor, bereute ich die Schwäche und Nachgiebigkeit und wurde pickelhart und wählerisch - ich nahm nur die kalorienarmen Speisen und keinen Tropfen Alkohol dazu. Merkwürdig, meiner Laune machte es keinen Abbruch und auch "trocken" fühlte ich mich mit den Alkoholtrinkenden gleich wohl. Langsam gewöhnten sich die Freunde an unsere "Ernährungsfaxen" und fragten zuerst, was wir am Tag der Einladung der Rotation nach essen dürfen. Mit der Vorbereitung der einfachen Speisen hatten die Gastgeber keine Mühe, und manche begannen, sich ähnlich zu ernähren. In Restaurants bestellte ich meistens nur Salat mit Öl als Vorspeise und als Hauptspeise die Beilage mit Gemüse, ohne Fleisch und Sosse. Auch wenn es umgekehrt ist, meint man aus unerklärlichen Gründen, dass die Vegetarier nicht viel zu essen brauchen, und ihre Portionen sind meistens kleiner als die der Fleischesser. Um satt zu werden, bestellte ich nicht selten die Beilage nochmals als Dessert, manchmal ohne Skrupel sogar doppelt. Ich gab für das Entgegenkommen und um den Umsatzverlust auszugleichen (es wurde mir meistens weniger verrechnet als für das Menu mit Fleisch) etwas mehr Trinkgeld, und so wurde ich trotz meiner Sonderwünsche ein willkommener Gast. Während einer mehrwöchigen Vertretung in Basel wusste der Kellner schon bei meinem Eintritt ins Restaurant, was er mir an welchem Tag servieren soll. 

Mit den verlorenen Kilos fühlte ich mich immer wohler. Ich kann mich beherrschen, das Ziel verfolgen, mein Geist kann die niedrigen Gelüste des Körpers besiegen, kurzum, ich bin ein starker, erfolgreicher Mensch. Ich fühlte mich wie ein Hobbygärtner - was immer ihm auch beruflich und persönlich zustösst, die Pflanzen, welche er gesetzt hat, gedeihen und er sieht, schmeckt und geniesst die Früchte seiner Bemühung (ausser, wenn ihm Hagel alles zerstört!). Bei verschiedenen Gelegenheiten beobachtete ich mit gewisser Erhabenheit die eher rundlichen Gestalten neben mir, die plan- und hemmungslos dick belegte Brote, schuhsohlengrosse Steaks, fantasievolle Desserts in sich stopften, genüsslich mampften und alles mit Wein runterspülten und so ihre Gesundheit langsam aber sicher, ob bewusst oder unbewusst ruinierten, während ich zum fast heiligen Zweck an meinem Glas reinen Mineralwassers nippte. 

Nach einem Jahr verschwanden die Fettwulste, der Bauch war auch stehend auf dem Niveau des Brustbeines, liegend machte er sogar eine Delle, ich bekam wieder Taille, lief den "Stutz" aus dem Restaurant in die Ferienwohnung trotz vollem Magen wie ein Reh hinauf und der Freund musste beim Skifahren achten, dass ich die Piste nicht als erster runtersauste. Die lästigen Erkältungsviren, die mir jahrelang während des Winters fast ununterbrochen das Leben erschwerten, machten plötzlich einen weiten Bogen um mich, der Blutdruck war auch ohne Betablocker immer im Normbereich, meine Gicht hatte ich mit einem Bruchteil der bisherigen Medikamentendosis unter Kontrolle, beim Belastungstest erreichte ich überdurchschnittliche Werte und auf der Waage fünfundsiebzig Kilo. Ich durfte zufrieden sein, oder? Das reichte mir aber nicht, ich wollte das Gewicht meiner Jugend haben, wie die von mir bewunderten Tenniscracks aussehen. 

Jetzt begann ich mich zu plagen. Ich ass nur noch kalorienärmere, vorwiegend aus zellulose- und anderen Fasern bestehende Speisen, also fast nur Gemüse und Obst und schwamm ein, zwei Kilometer pro Tag, manchmal bei siebzehn Grad Wassertemperatur, aber ausser eines unerträglichen Hungers erreichte ich nicht viel. Wenn ich mich schon einmal den dreiundsiebzig Kilo näherte, brachte mich ein unvermeidlicher Ausrutscher, den ich früher in drei bis vier Tagen korrigierte, wieder auf die fünfundsiebzig Kilo, die ich wochenlang nicht wegbringen konnte. Ich sah zwar  immer noch nicht wie ein Hase aus, aber offensichtlich begann allmählich wie ein Ochse sogar die Zellulose zu verwerten. Schweren Herzens begrub ich den Traum und steckte den Misserfolg ein. Bekanntlich hat auch das Anti-Aging Grenzen. Jetzt rotiere ich gelassen schon mehrere Jahre zwischen fünf- und sechsundsiebzig Kilo. Zwei-dreimal pro Woche esse ich wieder Fleisch, weiterhin ohne Sossen. Ab und zu, bei Einladungen und Festen schlage ich mit besonderem Genuss über die Stränge. Ich habe den Eindruck, ich ernähre mich wie ich es in der Kindheit gewohnt war, fast wie unsere Vorahnen, die auch gerne ab und zu festeten.

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